2013-08-07 Presseschauer: 24h von Duisburg

Heute morgen war die offizielle Pressemitteilung des RSC über das 24h-Rennen im Landschaftspark Duisburg in der RP:

voerde (RP) Im Duisburger Landschaftspark Nord fand vor der imposanten Kulisse der ehemaligen
Hochofenanlage zum wiederholten Male das 24-Stunden-Mountainbikerennen statt. Dieses Rennen stellt
einen Höhepunkt im Kalender vieler Rennfahrer dar, wenn es gilt, an einem Tag so viele Runden wie möglich
zu schaffen.
In diesem Jahr stellten sich mehrere Sportler des RSC Niederrhein aus Voerde der Herausforderung. Das
8er-Mix-Team bestand aus Daniel Kühn aus Duisburg, Miriam Leuker und Klaus Meyer aus Kleve sowie
Rebecca und Marco Sprafke, Julia Loomann und Stefan Meiners aus Voerde. Verletzungsbedingt fiel kurz
vor dem Rennen der Organisator und Teamleader Michael Schroer aus. Als Ersatz konnte kurzfristig Jule
Schwarz aus Essen engagiert werden.
Schon früh stellte sich heraus, dass die Erwartungen mehr als übertroffen werden konnten und ein
Podiumsplatz in greifbarer Nähe war. Durch ähnlich hohes Leistungsniveau innerhalb des Teams wurden
nach 24 Stunden insgesamt 68 Runden absolviert und nach einem intensiven Schlagabtausch der dritte
Platz verteidigt. Insgesamt erreichte das Team den 65. Platz von 482 gestarteten Mannschaften.
Des Weiteren erreichte Olaf Kühn als Einzelstarter einen hervorragenden achten Rang in der Klasse Single
M Master und wurde 19. von insgesamt 65 Startern. Uwe Mühmert und Heinz Barmscheidt gingen mit einem
4er-Mix-Team an den Start, mussten jedoch bald auf einen Mitfahrer verzichten und erreichten mit nur drei
Fahrern einen guten 110. Platz in der 4er-Männerwertung.

 

Quelle: 130807_RP

 

Und die NRZ hat auch noch mal nachgelegt: 130808_NRZ

Platz 3 beim RHEINPOWER 24 Stunden von Duisburg powered by MountainBIKE!!!!

Was gibt es besseres, als einen Blogbeitrag mit literarischer Hochkultur zu beginnen? Und wie schön, dass es von T. S. Eliot das längere erzählende Gedicht „The Waste Land“ gibt:

„There is shadow under this red rock,
(Come in under the shadow of this red rock),
And I will show you something different from either
Your shadow at morning striding behind you
Or your shadow at evening rising to meet you;
I will show you fear in a handful of dust“

Eigentlich könnte man die Beschreibung des 24 Stunden Mountainbikerennens in Duisburg dabei belassen – weniger ist manchmal mehr. Weil das aber vielleicht doch ein wenig kurz gegriffen ist, hier jetzt die Langfassung eines eigentlich unbeschreiblichen Erlebnisses der ganz eigenen Art: bei 30° in knallender Sonne und in kalter Nacht durch den Landschaftspark Duisburg rasen und 24h lang die eigenen Kräfte mit denen tausender Mountainbiker zu messen. Staub brennt in der Lunge und den Augen, die Beine brennen und jede Faser Deines Körpers schreit nach Schlaf. Aber Du fährtst. Und Du fährst weiter. Und Du fährst schneller. Und Du fährst Deine ganz eigene Geschichte:

Prolog

Vor längerer Zeit hatte ich mal geäußert, dass ich mir durchaus vorstellen kann, mit Julia gemeinsam das 24h-Rennen in Duisburg zu fahren. Nicht nur, weil es so in der Nähe liegt, sondern eben vor allem, weil es im Landschaftspark Duisburg Nord liegt, in dem ich schon unzählige Mal war und den ich für eine absolut tolle Kulisse halte. Eine Testrunde, die wir vor gut einem Jahr drehten, war allerdings eher ernüchternd. Aber man soll sich ja nicht abschrecken lassen: Dieses Jahr hatten wir ja recht viel trainiert und waren deutlich fitter, als noch vor einem Jahr – vor allem ich.

Als dann vor einigen Monaten Teamkollege Michael fragte, ob ich immer noch 24h fahren wollen würde, habe ich spontan Ja gesagt. Und da Michaels ursprünglich geplantes 4er Team nicht zu stande kam, baute er flux ein 8er Mix-Team auf. Wobei flux ein Euphemismus ist, denn es ist gar nicht so einfach 8 Leute zusammen zu bekommen, die dann auch wirklich fahren. So musste auch Michael kurzfristig Ersatz suchen, als zwei gesetzte Fahrer plötzlich dann doch abgesagt haben.

Am Tag vor dem Rennen dann die schlechte Nachricht: Michael hatte einen Trainingsunfall und konnte nicht starten – er hatte sich erheblich verletzt. Das war der Worst Case für ihn, denn er hatte wirklich viel Arbeit in das Rennen gesteckt und war mit Leib und Seele dabei. Und für uns war das auch ein Albtraum, denn er war einer der schnellsten Fahrer im Team. So waren wir nur noch 7.

Freitag wurde dann auch schon die „Zeltstadt“ aufgebaut und auch unsere Zelte und Pavillions standen recht schnell auf der zugewiesenen Fläche. Danach sind dann bis aus Miriam un Klaus alle noch mal nach Hause. Eine letzte Nacht schlafen. Eine letzte Materialkontrolle. Ich hatte beschlossen noch ein letztes Mal die Schwalbe Reifen (vorne Rocket Ron, hinten Racing Ralph) zu fahren, alle Akkus waren geladen, die Lampen lagen bereit, die Taschen waren gepackt und gute Nacht.

Kapitel 1 – Der Samstag

Meine Startnummer - meine Glücksnummer
Meine Startnummer – meine Glücksnummer

Samstag morgen waren wir recht früh auf den Beinen und schon um 8 Uhr auf dem Weg in den Landschaftspark. Parkplatz war kein Problem – ein Kollege von mir arbeitete beim Rennen als Verantwortlicher für die Zufahrtsstrecke und konnte mir einen Parkplatz direkt am Camp zuweisen. Also die letzten Sachen ausgeladen und ins Camp geschleppt und aufgebaut. Dann mal die Umgebung erkundet schon und schon wenig gestaunt: Irgendwas um die 2000 Fahrerinnen und Fahrer, insgesamt wohl um die 3000 Bewohner der Zeltstadt und unerwartet viele Besucher füllten den LPN schon ganz gut:

Party ohne Techno - dafür mit AC-DC
Party ohne Techno – dafür mit AC-DC

Die Organisation des Events war ausgesprochen gut. Unzählige Mitarbeiter kümmerten sich um Teams, Besucher, Fahrzeuge und die großen und kleinen Sorgen. Rettungswagen an den wichtigsten Punkten – die hoffentlich nicht viel  zu tun hatten und zahlreiche Schilder für die Orientierung. Einfach Top.

Wir haben in Sektion F campiert und waren quasi direkt gegenüber des Dusch-Containers und des WC-Containers. Was erst mal doof klingt, war gut: Es waren richtige Container, keine Dixies, die regelmäßig gereinigt wurden und die kurzen Wege habe ich echt schätzen gelernt. Außerdem konnten wir sehr gut von dort zur Wechselzone kommen und los düsen…

Um 12 Uhr eröffnete Daniel für uns und… stand erst Mal im Stau. Wie schon in den Vorjahren war die kurze Treppe das Nadelöhr und verursachte schon mal mehrminütige Zwangspausen. Abgesehen davon aber war der Rundkurs durch den LPN sagenhaft schnell, was natürlich auch an den wenigen Höhenmetern und den nicht vorhandenen technischen Trails lag.

Nach den ersten Wechseln konnte dann auch ich auf die Strecke…

Ich hatte die wenigen Anstiege in den letzten Monaten schon immer wieder geprobt, wenn ich nach der Arbeit mit dem Bike einen Umweg durch den LPN gefahren bin und das zahlte sich auch aus. Allerdings begann die erste Runde etwas anders als geplant: Die Übergabe des Staffelbandes gelang und ich war fix aus der Wechselzone heraus und auf dem Bike. Gut angetreten über den Schotterweg über die Straße, links hoch und crash.

Kaum zu glauben, an der ersten Schlüsselstelle ist mir das Rad unter dem Hintern so weg gerutscht und ich bin erst mal so richtig aufs Knie geknallt 🙁 Wieder hoch, Lenker wieder gerade gezogen, rauf aufs Bike und weiter. An der Treppe stand natürlich auch ich dann erst mal ein bisschen vor mich hin und habe die Gelegenheit genutzt, Julia anzurufen und zu bitten, schon mal die Ersatzreifen aus dem Auto zu holen: Die schon im Zillertal erprobten Conti Raceking.  Nach der ersten Runde, die leider 22 Minuten gedauert hat, habe ich dann erst mal die Reifen gewechselt. Und so viel vorab: Das war gut, weil ab da kein Problem mehr auftrat.

Überhaupt sollte sich heraus stellen, dass wir technisch sehr gut vorbereitet waren: Keine gerissene Kette, nicht ein Mal ein Platten oder ein anderer ernsthafter Defekt hat unser Team heimgesucht. Angsichts des groben Schotters und der ständigen Vollgas-Episoden eigentlich ein Wunder!

Nach der ersten Runde stabilisierten sich bei uns allen die Rundenzeiten und meine lagen dann immer zwischen 19 und 20 Minuten pro Runde. Dafür, dass ich im Vorfeld nicht gedacht hätte, dass ich bei 20 Minuten oder sogar darunter landen würde, war ich schon ein bisschen Stolz 😉 Für mich war die Strecke aber auch wirklich optimal, da ich meine beste Seite, nämlich die langen schnellen Ebenen zu fahren, gut ausspielen konnte.  Zudem wurde die Strecke immer schneller, als sich nach und nach auch an den wenigen Schlüsselstellen Fahrspuren ausbildeten.

Was schnell unangenhm wurde, waren die Bremsrillen. Ich weiss nicht, warum manche Leute auf den Abfahrten meinen, sich bremsend in den Boden eingraben zu müssen – der Strecke hat es jedenfalls absolut nicht gut getan – einige Stellen wurden recht übel, vor allem die Abfahrt vom Monte Schlacko und die letzte Kurve vor der Zieleinfahrt…

Zu meiner – und wahrscheinlich unser aller – Überraschung stand Freitag Nachmittag plötzlich fest, dass wir ums Podium fahren: Unser Team befand sich immer zwischen Platz 2 und 4 in der Wertung der Mix-Teams. Bei den Mix-Teams müssen die Frauen 30% der Gesamtstrecke gefahren sein und das war nicht von Anfang an bei den Teams so, da oft erst die Männer fuhren. Als dann aber klar war, dass es 16 Mix-Teams waren, waren wir ganz vorne dabei!

Das war um so erstaunlicher, als das sich manche aus unserem Team erst in Duisburg kennen lernten. Und wir nie zusammen gefahren waren und teilwese grundverschiedene Ausrichtungen mitbrachten: Miriam und Klaus als Langstrecken-Spezialisten, Julia als CC-Rennerin, Marco als schneller Sprinter, ich als Langstreckenroller und so weiter. Und plötzlich hieß es: Wir können auf’s Podium!

Das wichtigeste ab dem Moment war, nicht 4. zu werden. Holzklasse will keiner. Achter aus 16 oder so ist okay, aber genau so wenig wie man Letzter werden will, will man ausgerechnet das Team sein, dass sooooooo knapp am Podium vorbei ist. Mit der Motivation im Nacken ging es weiter und für mich in meine dritte Runde, die mit 19 Minuten und 12 Sekunden meine schnellste Runde werden sollte.

Und schon wurde es Nacht…

Kapitel 2 – Die Nacht der Entscheidung

Ich hatte das Glück die Runde zu fahren, in der die Dämmerung einsetzte. Mit dem Staub und der untergehenden Sonne eine wunderschöne und eigenwillige Stimmung. Und es kühlte auch merklich ab – im Laufe der Nacht bis auf 15°C. Wir wollten Nachts dann 2 Runden jeweils fahren, damit die Nichtfahrer schlafen können. Ich hab dann noch was gegessen, ein paar Freunde kamen noch zu Besuch und dann hab ich mich hingehauen. Eigentlich sollte Marco mich wecken, wenn er los fährt, weil ich seine Ablösung war, aber das ging irgendwie unter und dann…

weckte mich um halb 1 Julia, ich müsse schnell zur Strecke ich sei gleich dran. Nicht gut, aber was solls. Also raus aus dem Zelt und ab zur Strecke, wo ich dann Marco abgelöst habe, der sichtlich K.O war. Nach mir fuhr Daniel, der auch schon gut müde war und weil auch Julia, Miriam und Klaus schon müde waren, habe ich beschlossen in der Nacht mehr zu fahren – ich war inzwischen wieder fit. Also konnten alle  etwas länger pennen und ich die geilen Runden durch die stockdunkle Nacht genießen. Der Staub war wie dichter Nebel und die Stimmung an der Strecke war ausgelassen und fröhlich. Ich fand das total geil mit über 40 km/h auf den geraden Stücken in Gruppen dahin zu rasen und dann wieder rauf auf die Hügel, auf der anderen Seite wieder runter.

Die Entscheidung, mit der einen Fenix am Lenker und der anderen auf der Stirn zu fahren, lag ich Gold richtig. Während die Leuchte am Lenker die Meter vor dem Bike ausgeleuchtet hat, hatte ich mit der Stirnlampe immer dort Licht, wo mein Auge lag. Zum Beispiel in Kurven folglich ganz woanders als die Lenkerleuchte gerade ausleuchtete. Auf den Videos – die ich baldmöglichst hochladen möchte – sieht man auch sehr schön, wie das Fahrrad dann immer Lehrbuchartig dem Blick folgt. Alles richtig gemacht 😉

Waren die Runden am Tag schon toll, war die Nacht mein absolutes High-Light. Ich glaube auch, dass ich hier gar nicht wirklich rüber bringen kann, wie das ist, wenn man Nachts durch stockdunkle Abschnitte jagt und dann wieder in die bunt beleuchteten Anlagen des LPN einbiegt. Wie krass sich die eigene Wahrnehmung auf den kleinen Kreis konzentriert, den die Lampen aus der Dunkelheit herausschneiden.

Was total toll war, war dass besonders auf dem Monte Schlacko die ganze Nacht hindurch Leute Party gemacht und alle Fahrer angefeuert haben. Oft werden ja nur die eigenen Bekannten beklatscht, da wurde einfach jeder hoch- und weitergeschrien. Ganz tolle Stimmung!

Sonnenaufgang...
Sonnenaufgang…

Ich habe dann in der Nacht insgesamt 6 Runden gedreht und hatte auch das Glück der beiden Runden die in den Sonnenaufgang führten. Allerdings war meine 6. Nacht-Runde gefühlt die, die mir den Rest gegeben hat und die Zeitauswertung gab dem Recht: +45 Sekunden im Vergleich zur Vorrunde. Aber inzwischen waren auch alle anderen wieder fit, Becci mit Kaffee auf dem Weg und ich konnte in die Pause gehen, die auch bitter nötig war.

Kaptiel 3 – Der Sonntag

Sontag war toll – vor allem als dann die Sonne raus kam und die Kühle der Nacht aus den Knochen und Klamotten verdrängt hat. Wir waren schließlich zu Acht, als uns Jule noch verstärken kam und schon auf ihren ersten beiden Runden für uns absolute top Zeiten gefahren hat. Aber auch die anderen standen ihren Mann oder ihre Frau und lieferten wieder gute Ergebnisse und es wurde immer deutlicher, dass die Frage nicht mehr war Dritte oder Vierte zu werden, sondern Zweite oder Dritte.

Nachdem ich dann vormittags noch eine Runde absolviert hatte, nahm mich das Team aus dem Rennen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt mit 12 Runden und mehr als 4 Stunden auf der Strecke schon die Höchstmarke gesetzt – wenn auch nicht die Bestmarke, das Rennen ging an Daniel mit bombastischen 18 Minuten und 25 Sekunden, kurz vor Marco und Jule.

Mit dem Erfolg, kommen die Frauen... ;-)
Mit dem Erfolg, kommen die Frauen… 😉

Die letzten Runden fuhren dann Julia, Marco, Jule und Daniel, die wirklich noch mal so weit über die Grenzen dessen hinaus gewachsen sind, was ich persönlich für möglich gehalten hatte. Und dann war es amtlich: Platz 3 in der 8er Mix-Wertung.

Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man ohne wirkliche Erwartung zu einem solchen Rennen fährt und in einem so großen Startfeld ohne wirkliche Vorbereitung dann aufs Treppchen darf. Entsprechend groß war auch die Freude bei allen – wenn auch langsam die Müdigkeit sich auf die Stimmung schlug. Ich wäre beim Warten auf die Siegerehrung schon fast eingenickt 😉

Als wir dann unsere Preise und Medallien hatten, wurden die Zelte abgebaut, alles Material verstaut und alle waren müde aber irgendwo auch sehr zufrieden.

Epilog

Wenn  man mich heute fragen würde, ich würde sofort für nächstes Jahr wieder zusagen. Mir brennen immer noch die Augen vom Staub der Strecke und meine Lunge fühlt sich an wie mit einer schweren Bronchitis aber das geht vorbei. Bleiben wird der Stolz, als Teil eines wirklich tollen Teams unvermittelt den dritten Platz in einem wirklich starken Feld gewonnen zu haben.

Ganz besonders habe ich mich über die zahlreichen Menschen gefreut, die uns auch am Zelt besucht haben. Sowohl Mitfahrer aus anderen Teams, als auch Freunde und Verwandte. Wobei man an der Stelle Julias Eltern ganz dick hervorheben muss, die uns Abends mit süßen und herzhaften Backwaren beglückten und am nächsten Tag sogar nach Hause gefahren haben, damit wir nicht mehr selbst an Steuer mussten. Und auch Claudia, die morgens frische kalte Getränke und massig belegte Brötchen vorbei brachte und uns damit den Morgen rettete… Auch „unseren“ Einzelfahrer sollte man noch erwähnen: Olaf, Daniels Vater, hatte nicht den besten Start als Einzelstarter, weil er zwischendurch das Rennen unterbrechen musste – und hat es Ende doch noch auf einen sensationellen achten Platz geschafft.

Für mich war das 24h-Rennen eine andere Grenzerfahrung als z. B. das Zillertal, weil ich hier über einen sehr langen Zeitraum Energie abrufbereit halten musste, die sich dann möglichst schnell entladen musste. Sowas hatte ich noch nie gemacht – aber Dank meiner „Trainerin“ war es überraschend gut.

Das einzige abschlossene Bike...
Das einzige abschlossene Bike…

So und jetzt ist es Zeit für einen tiefen Kniefall vor meinem Team:

  • Michael Schroer als Teambuilder, Manager, Supporter und verletztem Nichtfahrer muss der größte Teil an Dank zugesprochen werden, weil er es war, der nie aufgegeben hat, ein Team auf die Beine zu stellen und offensichtlich genau die richtigen Leute zusammen geholt hat. Danke, dass Du das alles möglich gemacht hast!
  • Vielen Dank an Daniel, der ein echter Racer ist und gemeinsam mit Marco und Julia viele wichtige Minuten gut gemacht hat, die uns letztlich schon so früh im Rennen an die Spitze katapultierten.
  • Miriam Leuker und Klaus Maier, die spontan die Plätze 7 und 8 besetzt haben und damit das Team vervollständigt haben. Sie waren die ganze Zeit über super drauf und selbst als die Belastung am größten war, immer entspannt. Danke, dass Ihr dabei gewesen seid!
  • Rebecca und Marco Sprafke mit Fabian, die reichlich Erfahrung mitgebracht haben und schon im Vorfeld wußten, worauf wir achten müssen und was wir erleben würden. Danke dafür, dass Ihr uns so unterstützt habt!
  • Jule Schwarz,  die spontan am Sonntag noch einstieg um den Ausfall von Michael zu kompensieren und mit ihrer Erfahrung und ihrer Leistung einen großen Teil zum Erfolg beigetragen hat und mit ihrer lockeren Art auch dafür gesorgt hat, dass wir einen Teil der Anspannung und Erschöpfung erfolgreich verdrängen konnten.
  • Und natürlich tausend Dank an Julia, die sich von mir hat überreden lassen mitzufahren und dann natürlich eine große Stütze für mich war – und selbst auch sehr erfolgreich gefahren ist.

… ich kann gar nicht sagen wie toll es ist, in einem solchen Team gemeinsam zu kämpfen!

Die WAZ zu dem Rennen:

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/24-stunden-sport-und-party-id8274390.html

WAZ-Fotostrecke mit Bildern auch von uns:

http://www.derwesten.de/fotostrecken/landschaftspark-nord-img1-id8273309.html

Best-Of-Fotos vom Sportograf:

http://www.sportograf.com/bestof/2094/index.html

Messbare Trainingserfolge: Die Pulskurve

Ich habe eigentlich immer beim Sport eine Pulsmesser dabei, der mir zumindest Maximal- und Durchschnittspuls liefert. Und gerade habe ich mal nachgeschaut, wie sich das so über das letzte Jahr verhalten hat:

Pulsmessung
Pulsmessung

 

Was man da sehr schön sehen kann ist, dass ich mit einem relativ hohen Puls ins Training im Oktober 2012 (1) eingestiegen bin – und das mein Puls binnen eines Quartals fast 20 Schläge in der Minute ruhiger wurde – beim Training wohlgemerkt. Dann kam der März (6) und der Trainingsplan von Steffi und man sieht: Raus aus der Routine des Fitnessstudios und rauf auf’s Bike macht schon einen Unterschied.

Aber auch da die Abwärtsbewegung im ersten Quartal.

Dann kam der Juni (9) als letzte Vorbereitung auf die Zillertal Bikechallenge und der Spike spricht wohl für sich. Ebenso, dass ich aus dem Zillertal kommend sofort im Juli (10) einen Gang runter geschaltet habe – aber das Training konstant weitergeführt habe.

Ich bin mal gespannt, wie das in den nächsten Monaten weitergeht…

Training im Juli

Der Juli war geprägt von der Zillertal Bikechallenge am Anfang und dem Training für das 24h-Rennen in Duisburg Anfang August.

Während dessen habe ich 18 Mal auf dem Bike oder dem Spinning-Bike gesessen und 632km in 37 Stunden und 48 Minuten bewältigt. Das ist etwas fehlleitend, weil bei der Zeit natürlich auch die Spinning-Sessions enthalten sind, bei denen ich keine Kilometer mache.

stat runtastic Juli13

 

Im Detail sieht das dann über das Jahr verteilt so aus:

Gesamtdauer
Gesamtdauer
Zurückgelegte Strecke
Zurückgelegte Strecke
Höhenmeter Aufwärts
Höhenmeter Aufwärts
Anzahl der Sessions
Anzahl der Sessions

 

 

 

 

 

 

5. Zillertal Bikechallenge: Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt

Das mit dem Schmerz ist der „offizielle“ Untertitel der Bikechallenge im Zillertal. Die je nach Laune des Moderators mal das härteste Etappenrennen Österreichs, Europa oder gar der Welt war. Für mich war es vor allem die größte Herausforderung, der ich mich mit dem Rad seit langem gestellt habe. Vielleicht sogar seit immer.

Und seit Sonntag kann ich sagen: Der Schmerz vergeht – der Stolz bleibt!

Part I: Preparation

Irgendwann im Winter 2013, so im Januar oder Februar, habe ich mit Julia Videos auf Youtube geschaut. Hier ein Downhill-Video, das ein UCI-Rennen und was ist das? Ein Etappenrennen im Zillertal? Oh, das sieht ja cool aus.

http://www.youtube.com/watch?v=s7RgoOpfzkg

Also sind wir mal auf die Website gegangen und fanden das, was man da lesen und sehen konnte ziemlich cool. Die Startgebühr ist für Amateure wie uns zwar happig (also damals kam sie uns happig vor), aber aus einer Laune heraus haben wir uns quasi am gleichen Abend angemeldet. Klar war, dass wir die „King and Queen“-Runde nicht schaffen würden, aber „Prince and Princess“ las sich durchaus schaffbar:

Renndauer: 3 Tage
Steckenlänge: 153,8 km*
Höhenmeter: 5.225 hm*
Bergbahnen: 5
*(exkl. Bergbahn-Distanz)

Schon am nächsten Morgen kam dann der große Katzenjammer: Ich, der ich nicht mal eine Halde hoch komme, will in den Alpen ein Rennen fahren? Das ganze wirkte plötzlich wie die dümmste Idee, die ein Mensch haben kann. Und dann gleich mehr als 5.000 Höhenmeter? Ich muss ja dermaßen einen an der Klatsche haben. Aber was tun?

Absagen? Kneifen? Oder Zähne durch und zu?

Nach ein paar Tagen stand fest: Ich will das schaffen – aber alleine schaffe ich das nicht. Also wurden Pläne geschmiedet und der erste war, dass ich bestimmen muss, wo ich stehe. Also auf zu einem Stufen-Laktat-Test. Zufällig hat eine Vereinskollegin von mir einen Termin mit ihrer Betreuerin gemacht und gefragt, ob noch jemand vom RSC Lust hätte, daran teil zu nehmen. Jupp, hatten wir und so ging es auf nach Köln, wo wir dann Steffi und Pro-Formance kennengelernt haben.

Das Ergebnis des Tests war eigentlich ganz okay: Power ist genug vorhanden und ich habe eine Basis auf der ich arbeiten kann. Also habe ich Steffi gebucht, mir bis zum Zillertal einen Trainingsplan zu entwickeln – was sie auch gerne gemacht hat. Also ich nehme an gerne. 😉 Auf jeden Fall hatte ich dann einen Trainingsplan und muss sagen, sie macht keine Gefangenen. Aber es waren auch netto nur noch 3 Monate Zeit…

In den 3 Monaten danach habe ich mich mehr oder weniger gut an den Plan halten können und ihn auch umgesetzt. Das ging nicht immer 100%, aber ich würde sagen viel fehlte nicht. Und die ersten Rennen zeigten durchaus Verbesserungen zum Vorjahr. Der Januar-Stop auf Malle hatte schon gezeigt, dass ich ganz gut dabei bin (also verglichen mit dem Vorjahr). Im Elsass war ich dann allerdings etwas geknickt, weil meine Bergauf-Leistung für die Katz zu sein schien. Meine Zweifel waren größer als je zuvor.

Und dann, beim letzten Trainingsrennen, dem Marathon in Neheim passierte eine Woche vor der Challenge, was nicht hätte passieren dürfen: Sturz, Krankenhaus, Bettruhe.

Foto 2
Der Arzt war verhalten optimistisch: Zwar war mein Knie „nur“ geprellt und mit genug Ruhe hätte ich wohl fahren können. Allerdings fehlte mir eine ganze weitere Woche vor dem Rennen zur Vorbereitung und ich war mir so unsicher, wie nie zuvor, ob das alles nicht einfach nur eine saudumme und teure Idee war.

Und dann kam der Tag der Abreise. Das Völvchen gepackt und 8h ins Zillertal gebrezelt.

 Part II – Zillertal

Das Zillertal ist toll.

Nachdem uns die Dame im TomTom in ziemlich genau der geplanten Zeit hin gebracht hat, war schon bei der Einfahrt im Tal klar: Hier kann und muss man bleiben. Das Zillertal ist einfach nur geil. Vor allem fürs Mountainbiking, denn entlang einer zentralen Hauptstraße schlängeln sich Berge, die zum Erkunden einladen.

Wir sind der Hauptstraße bis Zell gefolgt, weil wir dort unsere Wohnung hatten. Die Wahl ist auf Zell am Ziller gefallen, weil es genau mittig zwischen den Etappen liegt. Und wie sich heraus stellen sollte, war die Wahl auch goldrichtig: Uns erwartete eine großzügig geschnittene, sehr modern ausgestattete und super saubere Wohnung und die Hausherrin ließ keinen Zweifel daran, dass sie uns jeden Wunsch erfüllen würde, damit wir eine großartige Zeit haben.

Auf Rad- und Pferdewegen...
Auf Rad- und Pferdewegen…

Nachdem wir uns ausgebreitet hatten, mussten wir auch schon wieder nach Fügen düsen, weil dort die Anmeldung und das Riders Meeting war. Vorher jedoch sind wir noch – auf Empfehlung der Hausherrin – zuerst bei einer Physiotherapeutin gewesen, die uns noch mal schnell die Muskeln gelockert hat. Und dann, ebenfalls auf Empfehlung, sind wir noch zu einem lokalen Cube-Händler gedüst, weil Julias Schaltzughülle gebrochen war.

Bei dem Bikehändler konnte man uns auch helfe und versprach, das Rad fertig zu machen. Bei der Kontrolle fiel dann auf, dass Julias Kette durchfiel. Also bei dem Test mit der Verschleißlehre. Also die auch noch runter. Mit dem Chef hatten wir schnell einen guten Draht: der Laden hatte zwei eigene Teams am Start und auch der Chef fuhr die Challenge.

In Fügen, am Hotel Sonne, war schon der große Empfang aufgebaut. Wir bekamen unsere Startnummern und die wichtigen Taschen, mit denen wir jeweils am Start Klamotten, Handtücher, Duschzeug und so abgeben konnten, die dann zum Ziel gebracht wurden. Neben den obligatorischen Heftchen gab es noch sinnvolles (ein schöer Gürtel für mich), sinnloses (einen Fächer für Julia), praktisches (sehr gute Creme von Xenofit), unpraktisches (winzige Alu-Trinkflaschen) und Gelpakete.

Startnummer

Beim Riders-Meeting erfuhren wir dann,was wir schon beim Fahrradhändler als Gerücht gehört hatten:

Auf Grund des Wetters musste der zweite Tag gekürzt werden: Wegen Schneemassen konnte das Übergangsjoch nicht befahren werden. In der Folge wurde die zweite Etappe fast 20 km kürzer und einige hundert Höhenmeter fielen weg. Was sich für mich als sehr angenehm darstellt 😉

tAG

Mehr durch Zufall wurden wir außerdem noch Mitglieder im Team von Bikeworld Brand aus Bayern: Um als Team gewertet zu werden, müssen immer 5 Fahrer antreten. Von denen werden dann die schnellsten 3 gewertet. Bikeworld Brand hätte gerne 2 Teams bei den Prinzen gehabt und eines bei den Lords und Ladies. Leider fehlten ihnen aber Fahrer und so sah es so aus, als würde das nicht passen. Mit der Aufnahme von Julia und mir ging es dann aber doch. Für uns hatte mehrere Vorteile, angefangen bei der Erfahrung des Teams bis hin zur Logistik.

So ging es dann heim, ziemlich aufgeregt. Und die letzte Nacht vor der Herausforderung stand an…

Part III – The Race

Freitag Morgen dann um 9 Uhr starteten alle Gruppen gemeinsam in Fügen. Das ist schon ein irres Gefühl, mit 500 anderen Fahrerinnen und Fahrer auf den erlösenden Knall der Pistole zu warten. Der dann kam und schon waren wir unterwegs.

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Der erste Tag, das war mir schon beim Höhenprofil klar, sollte der Schlimmste für mich werden. Das lag daran, dass er mit mehr als 65km und knappen 2500 Höhenmetern der Längste war. Und man sich vergegenwärtigen muss, dass ich ohnehin eigentlich noch nie nennenswert mehr als 1200 Höhenmeter am Stück gefahren bin. Und der erste Tag direkt mit einem Monsteranstieg beginnt.

Bisschen Kühle...
Bisschen Kühle…

Keine Ahnung wie, aber den habe ich geschafft. Natürlich nicht schnell, was mich eine Menge Plätze gekostet hat. Aber konstant. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie habe ich auch die maximal 19% Anstieg geschafft. Und von Hochfügen ging es eine geile Abfahrt hinab nach Kaltenbach: Fast 15km und 2000 Höhenmeter runter. Einfach geil. Ich war am ersten Tag noch recht vorsichtig, weil ich nicht wußte wo das Limit meiner Reifen auf Schotter und Asphalt war und auch, weil ich nicht wußte wie gut die Bremsen durchkommen.

Rückblickend habe ich mir zu viele Sorgen gemacht: Die Continental X-King Reifen und die Shimano XT-Bremsen waren die perfekte Kombination für mich.

Von Kaltenbach an mussten dann noch mal fast 1500 Höhenmeter bewältigtwerden, bis die finale Abfahrt nach Zell kam. Einfach geil, auch wenn ich in dem Trailstück vor Zell einige Schiebepassagen eingelegt hatte: Der Sturz in Neheim hat mich sehr vorsichtig werden lassen und ich wollte nicht zu viel riskieren.

Im Ziel war ich ziemlich angefressen: Meine eigene Zeitmessung sagte mir, dass ich 4 Stunden und 58 Minuten unterwegs war. Offiziell sollen es aber 5 Stunden und 16 Minuten gewesen sein. Ich habe das am zweiten Tag hinterfragt und erfahren, dass es angeblich keine Probleme mit der Zeitnahme gab. Am letzten Tag Abends habe ich dann erfahren, dass auch andere plötzlich deutlich mehr Zeit offiziell gebraucht haben, als nach eigener Messung und das in Einzelfällen – bei mir nicht – Gutschriften bis zu 20 Minuten gewährt wurden.

Ich bin reichlich angekotzt gewesen. Aber hier das Ergebnis des Tages:

Strecke: 66,5 KM

Höhenmeter: 2455

Max. Steigung: 19%

Offizielle Zeit: 5:16:42

Eigene Zeit: 4:58:02 (4:52:39 reine Fahrt)

Energieverbrauch: 5200 Kcal

Altersklasse Männer II: 48 / 80

Gesamtwertung: 79 von 127 Finishern (136 Starter)

Der zweite Tag sollte dann mein Tag werden: Die kürzere Auffahrt sollte schaffbar sein, die Abfahrt schnell sein und am Ende warteten fast 10km Asphalt zwischen Zell und Mayrhofen. Das klang nach einem Tag für mich!

1. Tag

Der Start war pünktlich und es ging direkt zur ersten Seilbahn. Aus Zufall stand ich am Start ganz hinten, Julia als eine der Besten vom Vortag ganz vorne. Auf den 3km bin zum Lift hatte ich aber das gesamte Feld auf ebenem Asphalt überholen können und war mit ihr zusammen am Lift. Für mich psychologisch wichtig, schnell los zu kommen und möglichst viele hinter mir zu haben.

An der Rosenalm startete dann die Zeitnahme und es ging erst mal mehrere hundert Höhenmeter hinauf. Für mich natürlich ein Albtraum und, ich weiss nicht wieso, auch besonders schwer – ich kam einfach nicht richtig in den Tritt und habe ernsthaft gelitten. Letztlich musste ich nach nur 600 Höhenmetern die erste Laufpause einlegen und wie ich die 35%-Steigung hochgeschlichen bin, möchte ich gar nicht erst beschreiben.

35% Steigung - von oben
35% Steigung – von oben

Aber egal,danach ging es ja erst mal ab und das deutlich schneller als am Vortag, teilweise mit mehr als 75km/h.

Mit dem zweiten Lift ging es noch mal hoch und ann wieder fast 1500 Höhenmeter abwärts. Um die Strecke aufzuwerten, hatte man einen Teil des neuen Singletrails mit in die Rennstrecke eingebunden. Das war nicht gut, denn ich war ja eh nicht super schnell auf dem Trail unterwegs und weil es auch noch nass war, war es sowieso nicht mein Tag.

Ganz übel wurde es aber, als ich einem Fahrer ausweichen musste, der plötzlich einen Stop einlegte. Das Geräusch war schon schrecklich und ein schneller Stop zeigte mir dann, dass ich ein ernstes Problem hatte: Eine Speiche war gebrochen und mein Hinterad schleifte am Rahmen!

Also im Kriechgang den Berg runter und selbst auf Asphalt war an schnell Fahren nicht zu denken. Dafür kostet das Fahren unglaublich viel Kraft und im Ziel war ich so sauer, dass ich mein Rad am liebsten Weg geworfen hätte.

Das Team von Centurion, dass bei Reparaturen helfen sollte und wollte, hatte weder eine Speiche noch einen Zentrierständer. Also selbst wenn ich eine Speiche gehabt hätte, hätte ich nix machen können. Die Händler im Ort hatten keine Speiche für 29er-Räder, als wenn die total ungewöhnlich wären. Plus: Als ich dann endlich  zum Essen kam, war das Buffet leer.

Ich weiss nicht ob man sich als außen stehender vorstellen kann, was das für ein Frust ist, den man dann empfindet. 2/3 geschafft und es sieht so aus als wäre es das Ende. Ich hatte aufgegeben. Gott sei Dank habe ich die Rechnung ohne Julia gemacht, die sich damit nicht abfinden wollte und – anders als ich – in dem Moment einen kühlen Kopf bewahrte. Und eine Mitarbeiterin des Orga-Teams fand, die so lange ihr Telefonbuch durchwählte, bis sie am anderen Ende vom Zillertal einen Händler gefunden hatte, der mir helfen konnte.

Danach wurde es hektisch: Ich bin vorgedüst das Auto holen, Julia hat ein paar Reisende zwangsverpflichtet, ihr mit den Rädern in den Zug von Mayrhofen nach Zell zu helfen. Dort haben wir die Räder aufs Auto geschmissen und sind nach Fügen gedüst und waren 10 Minuten vor dem Feierabend des Menchanikers da. Und der war tief entspannt, speichte mein Rad, zentrierte beide Laufräder und schickte mich meines Wegs.

Wer weiss, dass im Zillertal Öffnungszeiten herrschen, wie bei uns vor 10 Jahren, der kann sich in etwa vorstellen wie schwer das gewesen sein muss, überhaupt wen ans Telefon zu bekommen. Und an der Stelle kann ich dem Team der ZBC auch gar nicht genug danken – von Julia mal ganz abgesehen.

Das Problem war jetzt, dass ich in der Wertung einige (Altersklasse), bzw.viele (Gesamt) Plätze verloren hatte:

Strecke: 45km (-20 zum Original)

Höhenmeter: 1200 Meter (-260 zum Original)

Max. Steigung: 35%

Offizielle Zeit: 3:03:07

Eigene Zeit: 2:57:52 (ohne Standzeiten, dürfte also passen!)

Energieverbrauch: 2700 Kcal

Altersklasse Männer II: 61 / 79

Gesamtwertung: 99 von 129 Finishern

Overall: 65 von 125

Vor dem dritten Tag hatte ich dann eine Menge Respekt: Erstens fühlten sich morgens meine Beine wie tot an, zweitens bestand der Großteil der Strecke aus Steigungen mit bis zu 23%.

Wir starteten als letzte Gruppe nach den Kings und Lords, was uns die Gelegenheit gab in Mayrhofen noch mal gut zu frühstücken. Julia konnte dann wieder vorne im Feld losdüsen, ich stand in der Mitte. Auf dem guten KM bis zum Lift hatte ich sie dann fast eingeholt. Danach ging es dann 1200 Meter mit dem Lift aufwärts und dann aufs Bike, noch mal ein paar hundert Höhenmeter machen.

Die große Überraschung war, dass ich die ersten 300 Hm sehr gut geschafft habe. An der ersten Steigung mit mehr als 17% musste ich dann aber passen – wie Gott sei Dank fast alle anderen auch. Von da ging es eine Abfahrt runter, die oben ziemlich verblockt war und dann immer weicher wurde – mein Tempo gegenläufig immer höher. Den Asphalt-Teil von Vorderlansbach bis Hinterux bin ich mehr oder weniger geflogen…

Dann die zweite Bahn und die letzte Steigung mit bis zu 23% hinauf zum Tuxer Ferner Haus.

Ich hatte eine kleine Gruppe gefunden aus einer Frau und einem Mann, mit denen ich gemeinsam den letzten Berg bezwingen wollte. Es wäre gelogen,wenn ich nicht schreiben würde, dass wir viel gelaufen sind, aber es war gut. Besser als erwartet. Leider waren die letzten Meter so, dass ich nicht mehr fahren konnte, also musste ich zu Fuß durch das Ziel – was mir aber die Gelegenheit gab ein bisschen zu posen 😉  (Ab 3:18)

http://www.youtube.com/watch?v=X1TmswtN9dg

Ich kann gar nicht beschreiben, was für ein geiles Gefühl das ist, wenn man da oben steht und weiß, dass man sich selbst übertroffen hat.

Das Ziel auf 2600 Meter überd dem Meer
Das Ziel auf 2600 Meter überd dem Meer
So sehen Sieger aus ;-)
So sehen Sieger aus 😉

Man ist bis unter die Hutkrempe mit Endorphinen voll und merkt eigentlich gar nix mehr. Ich war so froh, dass mein Team mir das Rad weg genommen und eine Flasche Wasser hingehalten hat und das Julia mich in den Arm nehmen konnte, damit ich nicht gleich umkippe!

Strecke: 29 km

Höhenemter: 1300

Max. Steigung: 23%

Offizielle Zeit: 2:27:51

Eigene Zeit: 2:24 Brutto (2:19 ohne Standzeiten)

Energieverbrauch: 2600 Kcal

Altersklasse Männer II: 36 / 77

Overall: 47 von 77 in der AK II

Das ich als 47. meiner Altersklasse das Rennen beende, hätte ich nicht gedacht. Auch nicht, dass wir im zweiten Team der BikeWorld Brand den 6. Platz in der Teamwertung machen, weil das bedeutet, dass ich in unserem 5er-Team zu den schnellsten 3 gehört habe. (Das andere Team ist Gesamtsieger geworden).

3. Tag 02

3. Tag 01

Und nach dem Rennen? Da war klar, dass 2014 eine Wiederholung wird. Zum einen weil wir (also Julia) einen Startplatz für 2014 gewonnen haben, zum anderen weil ich nächstes Jahr schneller sein will als dieses Jahr. Und die Wohnung ist schon gebucht. Und das Ziel?

Die Gesamtzeit von 10h 47m 39s zu unterbieten (was bei der längeren Originalstrecke natürlich nicht geht) und den Abstand zum Führenden von 3h 33m 47s zu verkürzen!

Part IV – Many Thanks

Es ist witzig, wie sich so eine Sache entwickelt.Von einer bekloppten Idee im Frühjahr zu einem Team-Rennen im Sommer. Und auch, wenn ich mich in diesem Artikel zum Mittelpunkt mache: Julia hat mich um insgesamt eine Stunde geschlagen und stand auf dem Podest – aber das soll sie selbst berichten!

Und was ich an der Stelle vielleicht mal machen muss, ist ein paar Leuten Danke zu sagen:

  • Julia natürlich dafür, dass sie den Wahnsinn überhaupt mit mir durchgemacht hat.
  • Kirsten und Markus, Olaf, Becky und Marco und anderen Bekloppten vom RSC Niederrhein, die uns so gut letztes Jahr aufgenommnen haben, Freundschaften mit uns geschlossen haben und irgendwie immer genau dann da sind und waren,wenn man sie gebraucht hat. Vor allem Kirstens und Markus  moralischer Support und Olafs nie endende Hilfsbereitschaft kann man gar nicht hoch genug einschätzen!
  • Steffi von Pro-Formance, die uns nicht nur im März gesagt hat wo wir stehen – sondern uns auch sehr geholfen hat, uns so gut es möglich war in 3 Monaten auf die ZBC vorzubereiten.
  • Anna von Bergettape in Essen, die mit uns das Bikefitting durchgeführt hat und dafür gesorgt hat, dass ich außer brennenden Muskeln keine Probleme hatte…
  • Conny, die uns die Wohnung vermietet hat (und auch schon für kommendes Jahr) und die uns sogar morgens Brötchen geholt hat, damit wir gut in den Start kommen. Sie hat wirklich alles gemacht, damit wir uns „zu Hause“ fühlen.
  • Becca, die uns vor und nach dem Rennen physiotherapeutisch betreut hat. Oder anders gesagt: die so lange an uns massiert hat, bis wir wieder gerade stehen konnten!
  • Markus und das Team von Intersport-Strasser, die nicht nur Julias Rad fertig gemacht haben, sondern uns auch gute Ratschläge in Sachen Kleidung, Reifen, usw. gegeben haben.
  • Dem Team von Sporthaus Unterlecher in Fügen, die es Samstag noch geschafft haben, mein Bike wieder fit zu kriegen – zu einem Zeitpunkt an dem ich nicht mehr damit gerechnet hätte.
  • Dem ganzen Team der ZBC für ein grandioses Rennen, aber vor allem Birgit Fischer, die am Samstag Nachmittag so lange alle Freunde, Bekannten und Unbekannten angerufen hat, bis sie mich zum Unterlecher nach Fügen schicken konnte. Die mit Julia zusammen einfach nicht akzeptieren wollte, das mein Rennen zu Ende ist.
  • Dem Team BikeWorld Brand aus Euerdorf, dass uns so spontan in seine Mitte aufgenommen hat und uns viel geholfen hat, sei es weil immer einer da war oder auch, weil z. B. mit den warmen Klamotten am Lift gewartet wurde und immer einer da war, der anpackte und half. Teil eines solch tollen Teams zu sein ist der Wahnsinn.

Part V – Once Again?

Tja, ich hab’s ja weiter oben schon verraten: Wir werden 2014 wieder im Zillertal starten. Natürlich kann man sagen, dass ein Teil des Erlebnisses die Einmaligkeit gewesen ist. Auf der anderen Seite lief es besser als erwartet und wir wollen beide unsere Ergebnisse nächstes Jahr übertreffen. Und ich glaube, wer ein Mal an der ZBC teilgenommen hat, wird das am ehesten verstehen.

Nächstes Jahr wird vieles anders sein als dieses Jahr – und manches gleich. Wir werden Leute wiedersehen, wir haben schon die Wohnung gebucht, wir werden früher fahren um vor Ort zu trainieren und wir werden versuchen, unsere Ziele anzupassen und zu erreichen.

Ich brauche vermutlich noch ein oder zwei Tage um das ganz zu verarbeiten,was wir da erlebt haben. Aber wenn ich hier so sitze und auf das Finisher-Trikot gucke und mir vergegenwärtige, dass wir mit Julias Startplatz und dem anteiligen Team-Gewinn (für das größte Team) im Grunde mehr als das Startgeld wieder raus haben, muss ich doch ein bisschen grinsen. Denn es stimmt schon, was man in Tirol sagt:

Der Schmerz vergeht –

der Stolz bleibt!

 

2013-07-02 Presseschauer

Nachdem gestern ja schon die WAZ berichtet hat, folgt heute die Rheinische Post mit einem kleinen Artikel über Julias Erfolg:

Über diese Distanz wurde Julia Loomann überraschend Dritte der Damen mit nur wenigen Minuten Rückstand auf die Plätze eins und zwei. Dieses Ergebnis ist besonders erfreulich, da es der erste Mountainbike-Marathon für sie war und die Strecke durch den Regen der vorangegangenen Tage alles andere als leicht befahrbar war.

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2013-07-01 Presseschauer

Heute war aud derWesten bereits ein Artikel zu Julias erfolgreichem Start beim Marathon-Rennen in Neheim:

Julia Loomann vom RSC Niederrhein hat beim Mountainbike-Marathon in Neheim bei Arnsberg überraschend den dritten Platz belegt. Für Loomann, die auf der Mitteldistanz (65 Kilometer, 1200 Höhenmeter) startete, war es der erste Marathon überhaupt. Die Strecke war nach dem Regen der vorangegangenen Tage alles andere als leicht befahrbar.

Zum ganzen Artikel: Klick!

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Als PDF.

2. MTB-Marathon Neheim: Julia Loomann auf Platz 3!

Heute sind wir auf dem Marathon Neheim gefahren. Julias erster Marathon überhaupt und dann direkt 65km durch das Sauerland. Als wenn man nix besseres zu tun hat 😉

Das Ergebnis ist dafür aber ausprochen gut: 3. Platz bei den Damen – wobei auf Platz 1 Jule Schwarz aus Essen ganz klar den Pace vorgegeben hat. Aber Julia hat hier definitiv noch Potential und wir gehen mal davon aus, dass ihre weiteren Marathon-Läufe mindestens genau so gut, wenn nicht noch besser ausgehen!