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5. Zillertal Bikechallenge: Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt

Das mit dem Schmerz ist der „offizielle“ Untertitel der Bikechallenge im Zillertal. Die je nach Laune des Moderators mal das härteste Etappenrennen Österreichs, Europa oder gar der Welt war. Für mich war es vor allem die größte Herausforderung, der ich mich mit dem Rad seit langem gestellt habe. Vielleicht sogar seit immer.

Und seit Sonntag kann ich sagen: Der Schmerz vergeht – der Stolz bleibt!

Part I: Preparation

Irgendwann im Winter 2013, so im Januar oder Februar, habe ich mit Julia Videos auf Youtube geschaut. Hier ein Downhill-Video, das ein UCI-Rennen und was ist das? Ein Etappenrennen im Zillertal? Oh, das sieht ja cool aus.

http://www.youtube.com/watch?v=s7RgoOpfzkg

Also sind wir mal auf die Website gegangen und fanden das, was man da lesen und sehen konnte ziemlich cool. Die Startgebühr ist für Amateure wie uns zwar happig (also damals kam sie uns happig vor), aber aus einer Laune heraus haben wir uns quasi am gleichen Abend angemeldet. Klar war, dass wir die „King and Queen“-Runde nicht schaffen würden, aber „Prince and Princess“ las sich durchaus schaffbar:

Renndauer: 3 Tage
Steckenlänge: 153,8 km*
Höhenmeter: 5.225 hm*
Bergbahnen: 5
*(exkl. Bergbahn-Distanz)

Schon am nächsten Morgen kam dann der große Katzenjammer: Ich, der ich nicht mal eine Halde hoch komme, will in den Alpen ein Rennen fahren? Das ganze wirkte plötzlich wie die dümmste Idee, die ein Mensch haben kann. Und dann gleich mehr als 5.000 Höhenmeter? Ich muss ja dermaßen einen an der Klatsche haben. Aber was tun?

Absagen? Kneifen? Oder Zähne durch und zu?

Nach ein paar Tagen stand fest: Ich will das schaffen – aber alleine schaffe ich das nicht. Also wurden Pläne geschmiedet und der erste war, dass ich bestimmen muss, wo ich stehe. Also auf zu einem Stufen-Laktat-Test. Zufällig hat eine Vereinskollegin von mir einen Termin mit ihrer Betreuerin gemacht und gefragt, ob noch jemand vom RSC Lust hätte, daran teil zu nehmen. Jupp, hatten wir und so ging es auf nach Köln, wo wir dann Steffi und Pro-Formance kennengelernt haben.

Das Ergebnis des Tests war eigentlich ganz okay: Power ist genug vorhanden und ich habe eine Basis auf der ich arbeiten kann. Also habe ich Steffi gebucht, mir bis zum Zillertal einen Trainingsplan zu entwickeln – was sie auch gerne gemacht hat. Also ich nehme an gerne. 😉 Auf jeden Fall hatte ich dann einen Trainingsplan und muss sagen, sie macht keine Gefangenen. Aber es waren auch netto nur noch 3 Monate Zeit…

In den 3 Monaten danach habe ich mich mehr oder weniger gut an den Plan halten können und ihn auch umgesetzt. Das ging nicht immer 100%, aber ich würde sagen viel fehlte nicht. Und die ersten Rennen zeigten durchaus Verbesserungen zum Vorjahr. Der Januar-Stop auf Malle hatte schon gezeigt, dass ich ganz gut dabei bin (also verglichen mit dem Vorjahr). Im Elsass war ich dann allerdings etwas geknickt, weil meine Bergauf-Leistung für die Katz zu sein schien. Meine Zweifel waren größer als je zuvor.

Und dann, beim letzten Trainingsrennen, dem Marathon in Neheim passierte eine Woche vor der Challenge, was nicht hätte passieren dürfen: Sturz, Krankenhaus, Bettruhe.

Foto 2
Der Arzt war verhalten optimistisch: Zwar war mein Knie „nur“ geprellt und mit genug Ruhe hätte ich wohl fahren können. Allerdings fehlte mir eine ganze weitere Woche vor dem Rennen zur Vorbereitung und ich war mir so unsicher, wie nie zuvor, ob das alles nicht einfach nur eine saudumme und teure Idee war.

Und dann kam der Tag der Abreise. Das Völvchen gepackt und 8h ins Zillertal gebrezelt.

 Part II – Zillertal

Das Zillertal ist toll.

Nachdem uns die Dame im TomTom in ziemlich genau der geplanten Zeit hin gebracht hat, war schon bei der Einfahrt im Tal klar: Hier kann und muss man bleiben. Das Zillertal ist einfach nur geil. Vor allem fürs Mountainbiking, denn entlang einer zentralen Hauptstraße schlängeln sich Berge, die zum Erkunden einladen.

Wir sind der Hauptstraße bis Zell gefolgt, weil wir dort unsere Wohnung hatten. Die Wahl ist auf Zell am Ziller gefallen, weil es genau mittig zwischen den Etappen liegt. Und wie sich heraus stellen sollte, war die Wahl auch goldrichtig: Uns erwartete eine großzügig geschnittene, sehr modern ausgestattete und super saubere Wohnung und die Hausherrin ließ keinen Zweifel daran, dass sie uns jeden Wunsch erfüllen würde, damit wir eine großartige Zeit haben.

Auf Rad- und Pferdewegen...
Auf Rad- und Pferdewegen…

Nachdem wir uns ausgebreitet hatten, mussten wir auch schon wieder nach Fügen düsen, weil dort die Anmeldung und das Riders Meeting war. Vorher jedoch sind wir noch – auf Empfehlung der Hausherrin – zuerst bei einer Physiotherapeutin gewesen, die uns noch mal schnell die Muskeln gelockert hat. Und dann, ebenfalls auf Empfehlung, sind wir noch zu einem lokalen Cube-Händler gedüst, weil Julias Schaltzughülle gebrochen war.

Bei dem Bikehändler konnte man uns auch helfe und versprach, das Rad fertig zu machen. Bei der Kontrolle fiel dann auf, dass Julias Kette durchfiel. Also bei dem Test mit der Verschleißlehre. Also die auch noch runter. Mit dem Chef hatten wir schnell einen guten Draht: der Laden hatte zwei eigene Teams am Start und auch der Chef fuhr die Challenge.

In Fügen, am Hotel Sonne, war schon der große Empfang aufgebaut. Wir bekamen unsere Startnummern und die wichtigen Taschen, mit denen wir jeweils am Start Klamotten, Handtücher, Duschzeug und so abgeben konnten, die dann zum Ziel gebracht wurden. Neben den obligatorischen Heftchen gab es noch sinnvolles (ein schöer Gürtel für mich), sinnloses (einen Fächer für Julia), praktisches (sehr gute Creme von Xenofit), unpraktisches (winzige Alu-Trinkflaschen) und Gelpakete.

Startnummer

Beim Riders-Meeting erfuhren wir dann,was wir schon beim Fahrradhändler als Gerücht gehört hatten:

Auf Grund des Wetters musste der zweite Tag gekürzt werden: Wegen Schneemassen konnte das Übergangsjoch nicht befahren werden. In der Folge wurde die zweite Etappe fast 20 km kürzer und einige hundert Höhenmeter fielen weg. Was sich für mich als sehr angenehm darstellt 😉

tAG

Mehr durch Zufall wurden wir außerdem noch Mitglieder im Team von Bikeworld Brand aus Bayern: Um als Team gewertet zu werden, müssen immer 5 Fahrer antreten. Von denen werden dann die schnellsten 3 gewertet. Bikeworld Brand hätte gerne 2 Teams bei den Prinzen gehabt und eines bei den Lords und Ladies. Leider fehlten ihnen aber Fahrer und so sah es so aus, als würde das nicht passen. Mit der Aufnahme von Julia und mir ging es dann aber doch. Für uns hatte mehrere Vorteile, angefangen bei der Erfahrung des Teams bis hin zur Logistik.

So ging es dann heim, ziemlich aufgeregt. Und die letzte Nacht vor der Herausforderung stand an…

Part III – The Race

Freitag Morgen dann um 9 Uhr starteten alle Gruppen gemeinsam in Fügen. Das ist schon ein irres Gefühl, mit 500 anderen Fahrerinnen und Fahrer auf den erlösenden Knall der Pistole zu warten. Der dann kam und schon waren wir unterwegs.

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Der erste Tag, das war mir schon beim Höhenprofil klar, sollte der Schlimmste für mich werden. Das lag daran, dass er mit mehr als 65km und knappen 2500 Höhenmetern der Längste war. Und man sich vergegenwärtigen muss, dass ich ohnehin eigentlich noch nie nennenswert mehr als 1200 Höhenmeter am Stück gefahren bin. Und der erste Tag direkt mit einem Monsteranstieg beginnt.

Bisschen Kühle...
Bisschen Kühle…

Keine Ahnung wie, aber den habe ich geschafft. Natürlich nicht schnell, was mich eine Menge Plätze gekostet hat. Aber konstant. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie habe ich auch die maximal 19% Anstieg geschafft. Und von Hochfügen ging es eine geile Abfahrt hinab nach Kaltenbach: Fast 15km und 2000 Höhenmeter runter. Einfach geil. Ich war am ersten Tag noch recht vorsichtig, weil ich nicht wußte wo das Limit meiner Reifen auf Schotter und Asphalt war und auch, weil ich nicht wußte wie gut die Bremsen durchkommen.

Rückblickend habe ich mir zu viele Sorgen gemacht: Die Continental X-King Reifen und die Shimano XT-Bremsen waren die perfekte Kombination für mich.

Von Kaltenbach an mussten dann noch mal fast 1500 Höhenmeter bewältigtwerden, bis die finale Abfahrt nach Zell kam. Einfach geil, auch wenn ich in dem Trailstück vor Zell einige Schiebepassagen eingelegt hatte: Der Sturz in Neheim hat mich sehr vorsichtig werden lassen und ich wollte nicht zu viel riskieren.

Im Ziel war ich ziemlich angefressen: Meine eigene Zeitmessung sagte mir, dass ich 4 Stunden und 58 Minuten unterwegs war. Offiziell sollen es aber 5 Stunden und 16 Minuten gewesen sein. Ich habe das am zweiten Tag hinterfragt und erfahren, dass es angeblich keine Probleme mit der Zeitnahme gab. Am letzten Tag Abends habe ich dann erfahren, dass auch andere plötzlich deutlich mehr Zeit offiziell gebraucht haben, als nach eigener Messung und das in Einzelfällen – bei mir nicht – Gutschriften bis zu 20 Minuten gewährt wurden.

Ich bin reichlich angekotzt gewesen. Aber hier das Ergebnis des Tages:

Strecke: 66,5 KM

Höhenmeter: 2455

Max. Steigung: 19%

Offizielle Zeit: 5:16:42

Eigene Zeit: 4:58:02 (4:52:39 reine Fahrt)

Energieverbrauch: 5200 Kcal

Altersklasse Männer II: 48 / 80

Gesamtwertung: 79 von 127 Finishern (136 Starter)

Der zweite Tag sollte dann mein Tag werden: Die kürzere Auffahrt sollte schaffbar sein, die Abfahrt schnell sein und am Ende warteten fast 10km Asphalt zwischen Zell und Mayrhofen. Das klang nach einem Tag für mich!

1. Tag

Der Start war pünktlich und es ging direkt zur ersten Seilbahn. Aus Zufall stand ich am Start ganz hinten, Julia als eine der Besten vom Vortag ganz vorne. Auf den 3km bin zum Lift hatte ich aber das gesamte Feld auf ebenem Asphalt überholen können und war mit ihr zusammen am Lift. Für mich psychologisch wichtig, schnell los zu kommen und möglichst viele hinter mir zu haben.

An der Rosenalm startete dann die Zeitnahme und es ging erst mal mehrere hundert Höhenmeter hinauf. Für mich natürlich ein Albtraum und, ich weiss nicht wieso, auch besonders schwer – ich kam einfach nicht richtig in den Tritt und habe ernsthaft gelitten. Letztlich musste ich nach nur 600 Höhenmetern die erste Laufpause einlegen und wie ich die 35%-Steigung hochgeschlichen bin, möchte ich gar nicht erst beschreiben.

35% Steigung - von oben
35% Steigung – von oben

Aber egal,danach ging es ja erst mal ab und das deutlich schneller als am Vortag, teilweise mit mehr als 75km/h.

Mit dem zweiten Lift ging es noch mal hoch und ann wieder fast 1500 Höhenmeter abwärts. Um die Strecke aufzuwerten, hatte man einen Teil des neuen Singletrails mit in die Rennstrecke eingebunden. Das war nicht gut, denn ich war ja eh nicht super schnell auf dem Trail unterwegs und weil es auch noch nass war, war es sowieso nicht mein Tag.

Ganz übel wurde es aber, als ich einem Fahrer ausweichen musste, der plötzlich einen Stop einlegte. Das Geräusch war schon schrecklich und ein schneller Stop zeigte mir dann, dass ich ein ernstes Problem hatte: Eine Speiche war gebrochen und mein Hinterad schleifte am Rahmen!

Also im Kriechgang den Berg runter und selbst auf Asphalt war an schnell Fahren nicht zu denken. Dafür kostet das Fahren unglaublich viel Kraft und im Ziel war ich so sauer, dass ich mein Rad am liebsten Weg geworfen hätte.

Das Team von Centurion, dass bei Reparaturen helfen sollte und wollte, hatte weder eine Speiche noch einen Zentrierständer. Also selbst wenn ich eine Speiche gehabt hätte, hätte ich nix machen können. Die Händler im Ort hatten keine Speiche für 29er-Räder, als wenn die total ungewöhnlich wären. Plus: Als ich dann endlich  zum Essen kam, war das Buffet leer.

Ich weiss nicht ob man sich als außen stehender vorstellen kann, was das für ein Frust ist, den man dann empfindet. 2/3 geschafft und es sieht so aus als wäre es das Ende. Ich hatte aufgegeben. Gott sei Dank habe ich die Rechnung ohne Julia gemacht, die sich damit nicht abfinden wollte und – anders als ich – in dem Moment einen kühlen Kopf bewahrte. Und eine Mitarbeiterin des Orga-Teams fand, die so lange ihr Telefonbuch durchwählte, bis sie am anderen Ende vom Zillertal einen Händler gefunden hatte, der mir helfen konnte.

Danach wurde es hektisch: Ich bin vorgedüst das Auto holen, Julia hat ein paar Reisende zwangsverpflichtet, ihr mit den Rädern in den Zug von Mayrhofen nach Zell zu helfen. Dort haben wir die Räder aufs Auto geschmissen und sind nach Fügen gedüst und waren 10 Minuten vor dem Feierabend des Menchanikers da. Und der war tief entspannt, speichte mein Rad, zentrierte beide Laufräder und schickte mich meines Wegs.

Wer weiss, dass im Zillertal Öffnungszeiten herrschen, wie bei uns vor 10 Jahren, der kann sich in etwa vorstellen wie schwer das gewesen sein muss, überhaupt wen ans Telefon zu bekommen. Und an der Stelle kann ich dem Team der ZBC auch gar nicht genug danken – von Julia mal ganz abgesehen.

Das Problem war jetzt, dass ich in der Wertung einige (Altersklasse), bzw.viele (Gesamt) Plätze verloren hatte:

Strecke: 45km (-20 zum Original)

Höhenmeter: 1200 Meter (-260 zum Original)

Max. Steigung: 35%

Offizielle Zeit: 3:03:07

Eigene Zeit: 2:57:52 (ohne Standzeiten, dürfte also passen!)

Energieverbrauch: 2700 Kcal

Altersklasse Männer II: 61 / 79

Gesamtwertung: 99 von 129 Finishern

Overall: 65 von 125

Vor dem dritten Tag hatte ich dann eine Menge Respekt: Erstens fühlten sich morgens meine Beine wie tot an, zweitens bestand der Großteil der Strecke aus Steigungen mit bis zu 23%.

Wir starteten als letzte Gruppe nach den Kings und Lords, was uns die Gelegenheit gab in Mayrhofen noch mal gut zu frühstücken. Julia konnte dann wieder vorne im Feld losdüsen, ich stand in der Mitte. Auf dem guten KM bis zum Lift hatte ich sie dann fast eingeholt. Danach ging es dann 1200 Meter mit dem Lift aufwärts und dann aufs Bike, noch mal ein paar hundert Höhenmeter machen.

Die große Überraschung war, dass ich die ersten 300 Hm sehr gut geschafft habe. An der ersten Steigung mit mehr als 17% musste ich dann aber passen – wie Gott sei Dank fast alle anderen auch. Von da ging es eine Abfahrt runter, die oben ziemlich verblockt war und dann immer weicher wurde – mein Tempo gegenläufig immer höher. Den Asphalt-Teil von Vorderlansbach bis Hinterux bin ich mehr oder weniger geflogen…

Dann die zweite Bahn und die letzte Steigung mit bis zu 23% hinauf zum Tuxer Ferner Haus.

Ich hatte eine kleine Gruppe gefunden aus einer Frau und einem Mann, mit denen ich gemeinsam den letzten Berg bezwingen wollte. Es wäre gelogen,wenn ich nicht schreiben würde, dass wir viel gelaufen sind, aber es war gut. Besser als erwartet. Leider waren die letzten Meter so, dass ich nicht mehr fahren konnte, also musste ich zu Fuß durch das Ziel – was mir aber die Gelegenheit gab ein bisschen zu posen 😉  (Ab 3:18)

http://www.youtube.com/watch?v=X1TmswtN9dg

Ich kann gar nicht beschreiben, was für ein geiles Gefühl das ist, wenn man da oben steht und weiß, dass man sich selbst übertroffen hat.

Das Ziel auf 2600 Meter überd dem Meer
Das Ziel auf 2600 Meter überd dem Meer
So sehen Sieger aus ;-)
So sehen Sieger aus 😉

Man ist bis unter die Hutkrempe mit Endorphinen voll und merkt eigentlich gar nix mehr. Ich war so froh, dass mein Team mir das Rad weg genommen und eine Flasche Wasser hingehalten hat und das Julia mich in den Arm nehmen konnte, damit ich nicht gleich umkippe!

Strecke: 29 km

Höhenemter: 1300

Max. Steigung: 23%

Offizielle Zeit: 2:27:51

Eigene Zeit: 2:24 Brutto (2:19 ohne Standzeiten)

Energieverbrauch: 2600 Kcal

Altersklasse Männer II: 36 / 77

Overall: 47 von 77 in der AK II

Das ich als 47. meiner Altersklasse das Rennen beende, hätte ich nicht gedacht. Auch nicht, dass wir im zweiten Team der BikeWorld Brand den 6. Platz in der Teamwertung machen, weil das bedeutet, dass ich in unserem 5er-Team zu den schnellsten 3 gehört habe. (Das andere Team ist Gesamtsieger geworden).

3. Tag 02

3. Tag 01

Und nach dem Rennen? Da war klar, dass 2014 eine Wiederholung wird. Zum einen weil wir (also Julia) einen Startplatz für 2014 gewonnen haben, zum anderen weil ich nächstes Jahr schneller sein will als dieses Jahr. Und die Wohnung ist schon gebucht. Und das Ziel?

Die Gesamtzeit von 10h 47m 39s zu unterbieten (was bei der längeren Originalstrecke natürlich nicht geht) und den Abstand zum Führenden von 3h 33m 47s zu verkürzen!

Part IV – Many Thanks

Es ist witzig, wie sich so eine Sache entwickelt.Von einer bekloppten Idee im Frühjahr zu einem Team-Rennen im Sommer. Und auch, wenn ich mich in diesem Artikel zum Mittelpunkt mache: Julia hat mich um insgesamt eine Stunde geschlagen und stand auf dem Podest – aber das soll sie selbst berichten!

Und was ich an der Stelle vielleicht mal machen muss, ist ein paar Leuten Danke zu sagen:

  • Julia natürlich dafür, dass sie den Wahnsinn überhaupt mit mir durchgemacht hat.
  • Kirsten und Markus, Olaf, Becky und Marco und anderen Bekloppten vom RSC Niederrhein, die uns so gut letztes Jahr aufgenommnen haben, Freundschaften mit uns geschlossen haben und irgendwie immer genau dann da sind und waren,wenn man sie gebraucht hat. Vor allem Kirstens und Markus  moralischer Support und Olafs nie endende Hilfsbereitschaft kann man gar nicht hoch genug einschätzen!
  • Steffi von Pro-Formance, die uns nicht nur im März gesagt hat wo wir stehen – sondern uns auch sehr geholfen hat, uns so gut es möglich war in 3 Monaten auf die ZBC vorzubereiten.
  • Anna von Bergettape in Essen, die mit uns das Bikefitting durchgeführt hat und dafür gesorgt hat, dass ich außer brennenden Muskeln keine Probleme hatte…
  • Conny, die uns die Wohnung vermietet hat (und auch schon für kommendes Jahr) und die uns sogar morgens Brötchen geholt hat, damit wir gut in den Start kommen. Sie hat wirklich alles gemacht, damit wir uns „zu Hause“ fühlen.
  • Becca, die uns vor und nach dem Rennen physiotherapeutisch betreut hat. Oder anders gesagt: die so lange an uns massiert hat, bis wir wieder gerade stehen konnten!
  • Markus und das Team von Intersport-Strasser, die nicht nur Julias Rad fertig gemacht haben, sondern uns auch gute Ratschläge in Sachen Kleidung, Reifen, usw. gegeben haben.
  • Dem Team von Sporthaus Unterlecher in Fügen, die es Samstag noch geschafft haben, mein Bike wieder fit zu kriegen – zu einem Zeitpunkt an dem ich nicht mehr damit gerechnet hätte.
  • Dem ganzen Team der ZBC für ein grandioses Rennen, aber vor allem Birgit Fischer, die am Samstag Nachmittag so lange alle Freunde, Bekannten und Unbekannten angerufen hat, bis sie mich zum Unterlecher nach Fügen schicken konnte. Die mit Julia zusammen einfach nicht akzeptieren wollte, das mein Rennen zu Ende ist.
  • Dem Team BikeWorld Brand aus Euerdorf, dass uns so spontan in seine Mitte aufgenommen hat und uns viel geholfen hat, sei es weil immer einer da war oder auch, weil z. B. mit den warmen Klamotten am Lift gewartet wurde und immer einer da war, der anpackte und half. Teil eines solch tollen Teams zu sein ist der Wahnsinn.

Part V – Once Again?

Tja, ich hab’s ja weiter oben schon verraten: Wir werden 2014 wieder im Zillertal starten. Natürlich kann man sagen, dass ein Teil des Erlebnisses die Einmaligkeit gewesen ist. Auf der anderen Seite lief es besser als erwartet und wir wollen beide unsere Ergebnisse nächstes Jahr übertreffen. Und ich glaube, wer ein Mal an der ZBC teilgenommen hat, wird das am ehesten verstehen.

Nächstes Jahr wird vieles anders sein als dieses Jahr – und manches gleich. Wir werden Leute wiedersehen, wir haben schon die Wohnung gebucht, wir werden früher fahren um vor Ort zu trainieren und wir werden versuchen, unsere Ziele anzupassen und zu erreichen.

Ich brauche vermutlich noch ein oder zwei Tage um das ganz zu verarbeiten,was wir da erlebt haben. Aber wenn ich hier so sitze und auf das Finisher-Trikot gucke und mir vergegenwärtige, dass wir mit Julias Startplatz und dem anteiligen Team-Gewinn (für das größte Team) im Grunde mehr als das Startgeld wieder raus haben, muss ich doch ein bisschen grinsen. Denn es stimmt schon, was man in Tirol sagt:

Der Schmerz vergeht –

der Stolz bleibt!

 

2013-07-02 Presseschauer

Nachdem gestern ja schon die WAZ berichtet hat, folgt heute die Rheinische Post mit einem kleinen Artikel über Julias Erfolg:

Über diese Distanz wurde Julia Loomann überraschend Dritte der Damen mit nur wenigen Minuten Rückstand auf die Plätze eins und zwei. Dieses Ergebnis ist besonders erfreulich, da es der erste Mountainbike-Marathon für sie war und die Strecke durch den Regen der vorangegangenen Tage alles andere als leicht befahrbar war.

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2013-07-01 Presseschauer

Heute war aud derWesten bereits ein Artikel zu Julias erfolgreichem Start beim Marathon-Rennen in Neheim:

Julia Loomann vom RSC Niederrhein hat beim Mountainbike-Marathon in Neheim bei Arnsberg überraschend den dritten Platz belegt. Für Loomann, die auf der Mitteldistanz (65 Kilometer, 1200 Höhenmeter) startete, war es der erste Marathon überhaupt. Die Strecke war nach dem Regen der vorangegangenen Tage alles andere als leicht befahrbar.

Zum ganzen Artikel: Klick!

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Als PDF.

2. MTB-Marathon Neheim: Julia Loomann auf Platz 3!

Heute sind wir auf dem Marathon Neheim gefahren. Julias erster Marathon überhaupt und dann direkt 65km durch das Sauerland. Als wenn man nix besseres zu tun hat 😉

Das Ergebnis ist dafür aber ausprochen gut: 3. Platz bei den Damen – wobei auf Platz 1 Jule Schwarz aus Essen ganz klar den Pace vorgegeben hat. Aber Julia hat hier definitiv noch Potential und wir gehen mal davon aus, dass ihre weiteren Marathon-Läufe mindestens genau so gut, wenn nicht noch besser ausgehen!

Ruhrbikefestival Wetter – Marathon

Boah, wat mach ich bloß?

Heute stand der Ruhrbike-Marathon in Wetter an. Geplant war eigentlich die 55km-Strecke zu fahren, bis ich vorige Tage das Höhenprofil in die Finger bekam. Autsch. Sowas wie mein persönlicher Albtraum. Eine Alternative wäre gewesen, in der Enduro-Wertung zu starten, aber dafür hätte ich die fetten und schweren Downhill-Reife aufziehen müssen, denn Vorgabe war neben 150mm Federweg vorne und 140mm hinten auch, dass die Reifen mindestens 2.2er sind. Derzeit gefahren: 2.0

Dummerweise habe ich aber keine Nobby Nicks mehr im Keller, die eigentlich in 2.4 auf dem Threesome montiert sind. Und die Wicked Will wiegen ja ein schlappes Kilo pro Reifen. Und damit 2000 Höhenmeter auf 55km?

Wie gut, dass mir die Entscheidung praktisch abgenommen wurde, denn gestern war ich mit Kirsten noch eine „lockere“ Runde fahren, nach der ich total K.O war. Also spontan entschieden: ich fahre mit dem Fully, den schmalen aber schnellen Reifen und nehme die Kurzstrecke mit (offiziell) 30km, bzw. (gefahrenen) 36km und 1200 Höhenmetern. Reicht ja auch.

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Die Reifen waren vorne die Michelin Wild Race’R und hinten der XC Dry2 in 2.0, wobei beide in Real deutlich breiter ausfallen. Die Wahl sollte sich als Goldrichtig heraus stellen: Zwar hatte ich auf dem Waldboden vor allem hinten im Downhill deutlich weniger Grip, aber Grip wird überbewertet. Dafür war vorne alles super und ich bin deutlich schneller als viele andere die Berge hoch gekommen – wenn es auch nicht für Spitzenplätze gereicht hat.

Leider bin ich in einem Downhill gestürzt und leider waren so viele Leute auf der Strecke, dass ich laut eigener Uhr 20 Minuten einfach nur gestanden habe. So aber war dann die offizielle Zeitmessung 2h und 35m, als ich ins Ziel rollte und damit bin ich 24. meiner Altersgruppe und 109. von 210 Startern auf der kurzen Distanz.

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Die Strecke war übrigens absolut geil. Wenig Asphalt, viele und sehr knackige Anstiege und super Trails. Vor allem hat mir gefallen, dass man vorher die Trails wohl abgefahren ist und Hindernisse so weit wie möglich beseitigt hat. Dadurch waren teils superschnelle Abfahrten (bei mir >65km/h) möglich. Einfach toll.

Dazu stand an fast jeder Ecke ein Helfer, der schon von weitem den Streckenverlauf angekündigt hat und alle wichtigen Kreuzungen hat die Polizei für uns frei gehalten. Zusammen mit der Orga auf dem „Festivalgelände“ kann man nur sagen: Respekt. Der Marathon ist so toll, dass ich schon jetzt ziemlich sicher bin, dass ich ihn nächstes Jahr wieder fahren will. Vielleicht dann auf der langen Strecke.

Und morgen? Da gehe ich mir die CC-Rennen angucken. Die sind bestimmt auch super spannend!

Langes GA2-Training

Nachdem ich Dienstag beim GA2-Training etwas übertrieben habe, bin ich gestern leicht vom Trainingsplan abgewichen. Im Mittel kann man sagen, entsprach das, was ich gestern gefahren bin zwar einem längeren GA2-Training. Auf dem Plan stand 3 Stunden Fahrspiel (hab ich gemacht) mit Technik (hab ich nicht gemacht) und 70-75% Puls bis 141, 20% Puls 141-155 und dann 5-10% über 155. Die Pulszonen habe ich so nicht eingehalten, ich war Pulsmäßig aber eher bei 150 als bei 140…

Anders als sonst bin ich diesmal nicht direkt von Münster aus gefahren, sondern vom Bahnhof Unna aus – eine Fehlentscheidung, denn die Strecke aus Münster ist zwar einfacher, aber auch schöner zu fahren.

Als echtes Problem stellte sich die Sonne und die Temperaturen heraus. Ich bin da eigentlich nicht sonderlich empfindlich, aber gestern waren sogar die 1,5 Liter isotonischer Getränke zu wenig, die sonst für deutlich längere Touren reichen würden – über die zweite 750ml-Flasche war ich auch sehr froh, denn normaler Weise nehme ich nur eine mit, wenn ich plane von MS aus heim zu fahren…

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Gutes noch Besser

Nachdem wir ja Julias Bike haben vermessen und optimieren lassen, war es nur logisch, dass ich mich auch in die Hände von Bergetappe und Anna begebe. Mit dem Ergebnis hätte ich allerdings in der Form jetzt so nicht gerechnet.

Mir war klar, dass ich noch nicht optimal auf dem Bergamont Revox 9.3 sitze.  Zwar saß ich nie schlecht und habe auch gute Zeiten gefahren, trotzdem war da immer das Gefühl, dass es noch nicht so ist, wie ich es gerne hätte. Plus, und hier kommen wir zu dem eigentlichen Problem: auf langen Touren ist mir immer die linke Hand eingeschlafen. Also auf zu Anna, mal checken lassen.

Nach ungefähr 4 Stunden war soweit klar, dass an meinem Rad eine ganze Menge mehr gemacht werden muss, als bei Julia:

Zunächst flog die Sattelstütze runter. Die BGM-Stütze hatte einen Versatz, mit dem ich zu weit nach hinten gekommen bin und nicht zentral genug über dem Tretlager saß. Rein kommt eine Turativ-Stütze von SRAM, allerdings aus Alu, nicht aus Carbon. Man könnte sagen ich war zu geizig, andere sagen, dass mein Gewicht im Gelände für Carbon-Stützen eine echte Herausforderung ist. Sucht Euch was aus 😉 Die Sitzposition musste zudem ganze 4(!) cm angehoben werden.

Auch der Fizik-Tundra2-Sattel musste dran glauben: Ich hatte das Gewicht nicht auf den Beckenhöckern, sondern auf dem Damm und konnte keine Sitzposition finden, die wirklich passte – das kann ich vom Gefühl her sagen, die Druckfolien-Analyse wußte das aber sehr deutlich zu unterstreichen. Nachdem wir dann zahlreiche Sättel von SQ-Lab, Selle und so weiter ausprobiert haben, war es dann doch wieder ein Fizik, der perfekt passte: Fizik Aliante.

Meine Cleats mussten komplett anders eingestellt werden, um das Knie zu entlasten. An den Füßen trage ich auf Rennen die Shimano SH-M162 mit speziellen Einlagen, die ich mir bei der Firma Schürmann Orthopädischuhtechnik anpassen lasse.  In der Kombination konnte Anna dann in gefühlten 100 Anläufen meine Füße so auf die Pedale schrauben, dass ich kaum noch aus dem Oberschenkel treten muss – eine spürbare Erleichterung, vor allem mit der neuen Sitzposition!

Nachdem die hintere Hälfte damit erledigt war, ging es ans Cockpit. Und das war schon fast problematisch: Denn um mir gerecht zu werden, bräuchte ich für Marathon-Rennen eigentlich einen deutich schmaleren Lenker (fast wie bei meinem Rennrad). Das würde aber zu einem deutlichen Nachteil bei den gelegentlichen CC-Rennen führen. Gleichzeitig müsste mein Lenker 9, besser 12° gekröpft sein. Damit würde mein linkes Handgelenk so entlastet, dass die Narbe von der OP, die ich dort habe, so entlastet würde, dass es nicht zu einem Karpaltunnelsyndrom kommen kann. Gleichzeitig müsste aber mein Vorbau auch noch länger werden (110 statt 100 Milimeter) was in der Summe zur Folge hätte, dass ich mit der hohen Sitzposition und dem tiefen Lenker so säße, dass meine Lunge nicht mehr die volle (Reserve-)kapazität ausnutzen würde.

Hmmm. Klassisches Trade-Off: mehr Luft = mehr Last auf dem Handgelenk. Weniger Last = weniger Luft.

Der erhoffte Mittelweg sind jetzt die GS2-Griffe von Ergon, die auf der einen Seite meine Handgelenke entlasten sollen und die mir auf der anderen Seite erlauben, den Lenker (erst mal) zu behalten.

So bin ich dann deutlich länger bei Anna auf dem Prüfstand gewesen und vermutlich hat noch nie einer der Kunden so viele Fragen in den Bauch gefragt, wie ich. Aber sie hat sich die Zeit genommen, mir so lange zu erklären und zu zeigen, was ich wissen wollte, dass ich am Ende (hoffentlich) deutlich schlauer den Laden verlassen habe, als ich ihn betreten hatte.

Und jetzt?

Jetzt muss ich bis Dienstag warten, bis alle neuen Teile da und montiert sind. Aber dann… ich sach mal „Ruhrbike Maarathon ich komme!“

Sitz, passt, wackelt und hat Luft

Julias Cube passt ziemlich gut zu ihr. Trotzdem gab es das eine oder andere Zipperlein, dass nach Korrektur schrie. Doch wie, wenn man nicht selbst der Experte ist? Da traf es sich gut, dass wir auf der Bike-Messe Essen Anna von Bergetappe kennengelernt haben.

Wer Bergetappe nicht kennt: Das ist ein ganz entzückender Bike-Laden in Essen, fernab vom großen Trubel. In einem umgebauten alten Kino mit riesen Räumen haben Anna und ihr Mann Stephan eine echte Perle von Bikeshop aufgezogen. Und während Stephan sich bei unserem Besuch um Technik kümmerte, nutzt Anna ihre medizinische Qualifikation, um beim Bikefitting Menschen mit ihrem Rad zu verschmelzen. Relativ schnell war klar, dass bei Julia einiges im Argen lag. Also rauf auf die Rolle und warm treten. Immer unter den kritischen Blicken der Ärztin und Sportlerin.

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Ziemlich schnell war klar, dass Julia alles andere als ergonomisch oder auch nur bequem auf dem Rad sitzt. Sattelhöhe, Sattelposition, vor allem der Sattel selbst, die Stellung der Cleats, alles war nicht so, wie es hätte sein können. Oder sollen. Aber das ist ja schließlich auch der Grund warum man zu Bergetappe fährt 😉

Nach dem Ausprobieren zahlreicher Sattel von SQ, Selle und anderen war es schließlich ein Fizik-Sattel, die den besten Kompromisse aus Bequemlichkeit und Effizienz erzielte. Die Einstellung der Cleats war dann mit Detailarbeit verbunden, aber problemlos. Am Lenker und Vorbau muss nicht viel gemacht werden, so lange der Fokus auf CC-Rennen liegt. Und nach ein paar Stunden konnte Julia dann ihr perfekt ausgemessenes und eingestelltes Rad wieder mit nach Hause nehmen.

Foto 2

Jetzt bleibt das Warten auf das nächste Rennen, dass zu fahren ist. Und dann werden wir mal schauen, wie es hinterher aussieht. Der erste Eindruck ist jedenfalls der, dass man sich hinterher fragt, wie man vorher überhaupt auf dem Fahrrad gesessen hat. Die Details sollen hier keine Rolle spielen – nur so viel: Wenn man Anna dabei zusieht, Fehlstellungen zu demonstrieren, ist Grinsen garantiert.