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Wie man sich als Radfahrer halt selbst verletzt…

Manchmal fahre ich vom Büro aus durch den Duisburger Innenhafen und dort gibt es eine Kreuzung, die vorwiegend von LKW genutzt wird. Baulich eine Unfallstelle mit Ansage und gestern stand auf ein Mal ein Ghostbike dort:

14225395_178234772606925_6807045814049430128_nFalls Euch das nichts sagt: Die werden an Stellen aufgestellt, an denen Radfahrer ums Leben gekommen sind – als Mahnung und Warnung.

Sehr schön übrigens auf dem Bild auch zu erkennen ist der hervorragende Zustand der Radwege in Duisburg.

Worum es mir heute morgen aber geht, ist im Kontext des Ghostbikes auf meinem Heimweg folgende Pressemitteilung der Polizei aus Kleve:

Uedem (ots) – Am Donnerstag (1. September 2016) gegen 15.30 Uhr überquerte ein 15-jähriger Radfahrer aus Uedem von der Kervenheimer Straße aus Richtung Innenstadt die Straße Boxteler Bahn. Ein 56-jähriger Mann aus Uedem fuhr in einem LKW Mercedes auf der vorfahrtsberechtigten Straße Boxteler Bahn in Richtung Goch. Der LKW erfasste den Radfahrer im Kreuzungsbereich. Der 15-jährige verletzte sich bei dem Zusammenstoß schwer. Es besteht Lebensgefahr. Der Jugendliche wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen. Der LKW Fahrer blieb unverletzt. Die Staatsanwaltschaft Kleve beauftragte einen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens. Die Unfallstelle ist zur Zeit noch gesperrt. Polizeibeamte leiten den Verkehr ab.

Zwei Dinge springen mich in dem Text an:

  1. Obwohl ein Sachverständiger beauftragt ist, weist man schon mal vorsichtshalber darauf hin, dass der LKW auf einer vorfahrtsberechtigten Straße gewesen sei.  Allerdings spricht man auch von einem Kreuzungsbereich. Auf dem Foto oben sind LKW die von links kommend in die vor mir liegende Stichstraße abbiegen übrigens auch auf einer vorfahrtsberechtigten Straße. Das hat genau gar nichts mit dem Unfall zu tun, impliziert aber schon mal „der wird schon irgendwie selbst schuld gewesen sein“.
  2. Obwohl hier ein Jugendlicher von einem LKW über- bzw. angefahren wurde, schreibt die Polizei, er hätte sich selbst verletzt. So als würde man sich einen rostigen Nagel ins Auge rammen. Natürlich darf auch die Erwähnung nicht fehlen, dass der Fahrzeugführer des LKW unverletzt geblieben ist. Nicht vorzustellen, dem wäre bei der Selbstverletzung des Jugendlichen auch was passiert.

Ich bin sicher, die Verfasserin oder der Verfasser der Pressemitteilung hat sich darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Das ist keine böse Absicht, dass solche Formulierungen passieren. Es ist Ausdruck unserer extrem auf PKW geprägten Welt, in der Fußgänger und Radfahrer unter allen Umständen auf eben die Rücksicht zu nehmen haben.

Im Falle des obigen Fotos hätte dann gestanden:

„Verletzte sich ein Mensch tödlich, als er im Kreuzungsbereich von einem auf der vorfahrtsberechtigten Straße verkehrenden Fahrzeug erfasst wurde. Der Fahrer des Kraftfahrzeugs blieb unverletzt.“