Madrid verbannt Autos aus der Innenstadt

Na gut, nur auf 70 Meter, aber es ist ein Anfang:

Tatsächlich ist Madrid bekannt für seine atemberaubend schlechte Luft, sorry für das Wortspiel. Um Gegenzusteuern läuft gerade ein Versuch, bei dem eine erste Straße, bzw. ein Abschnitt für Autos gesperrt wurde. Auf Nextcity gibt es einen interessanten Artikel dazu:

Calle Galileo looks different than a typical downtown street too. Bar tables spill off the sidewalk and onto what would normally be car territory. Small trees, large plants in concrete troughs and solid wooden benches serve as borders. Bright yellow road markings warn motorists to stay away.

They’re all part of a 12-month pilot project, begun in late June, designed to promote more walking and less driving in Madrid, which is consistently named one of the cities with the worst air quality in Europe.

Selbstverständlich geht das nicht ohne Proteste:

„Of course we want safer spaces for our children and cleaner air for everyone, but it was obvious that type of scheme won’t work here,” says spokesperson Belen Arsuaga Ferreras as she puts up fresh posters advertising a demonstration against the project. “This is central Madrid, not New York or a completely different city many thousands of miles away.”

One key objection, voiced prior to the erection of the barriers, was that, far from becoming a child-friendly space, the closed-off section of road would instead serve as a new addition to Madrid’s famously vibrant nightlife scene.

“The benches and tables are just used for botellons [street drinking in groups] and so now it’s far noisier than it was when you had cars coming through here,” says Arsuaga Ferreras. This project, and others designed to make central Madrid less reliant on the car, are “an insult to older people” she adds.

Wobei das natürlich eine interessante Argumentation ist. Eine Stadt mit weniger Autos ist also eine Beleidigung alter Menschen und das Menschen auf der Straße sind ist kein bisschen besser als wenn es Autos sind? Nun ja, bemerkenswert ist schon der Name der „Bürgerbewegung“: Chamberí Defends Itself

Die dahinter liegende Idee, die ursprüngliche Vernetzung von Leben und dem anliegenden Park zu fördern, finde ich spannend. Auch glaube ich, dass die im Text beschriebenen Spannungen zwischen Betreibern von Lokalen (freuen sich) und Geschäften (freuen sich nicht) noch näher beobachtet werden sollten.

Und man darf ja auch nicht vergessen, dass es gar nicht darum geht Autos komplett zu verbieten. Sondern darum, Menschen wieder mehr (Lebens-)Raum zu bieten, in dem sie sich sicher bewegen können – mal abgesehen von den Vorteilen für die Umwelt, wenn man die Belastung durch PKW reduziert.

Das Argument, Madrid sei nicht New York, weil das ja weit weg sei, ist natürlich putzig. Andersherum kann man nämlich sagen, dass z. B. das Dreigestirn New York, London und Koppenhagen zeigt, dass eine Förderung von Fußgängern und Radfahrern und eine Reduktion von PKW-Verkehr praktisch überall möglich ist. Wenn man denn will.

Und das die Auswirkungen in der Regel positiv sind: Für die Menschen, die Umwelt und auch die Wirtschaft.

Ich bin sehr gespannt, wie das in Madrid ausgeht.

Mal wieder eine tragische Selbstverletzung eines Radfahrers.

Der ohne Helm fuhr !!!111ELF

Denn der Helm hätte ihn vor dem Fehler des Autofahres bewahrt:

Das einzige was der Neuen-Westfälischen – bzw. der Polizei, üblicherweise schreibt die NW das wortwörtlich ab – einfällt ist: 23-Jähriger trug keinen Helm, Nicht „Autofahrer beachtet Grundregeln nicht“. Der Radfahrer hat sich dabei natürlich selbst verletzt (wobei sich die Meldung dabei nicht sicher ist, er könnte auch verletzt worden sein). Niemals hat dies jedoch explizit der KFZ-Fahrer getan!

Mehr drüben bei Andreas: Klick!

Garmin schickt ein Update zum Update für die Fenix 5

Vor wenigen Tagen erst hat Garmin die Version 5.1 der Firmware für die Garmin Fenix 5, Fenix 5s und Fenix 5x bereitgestellt.

Und nach der Installation war ich nicht der Einzige, der keine Verbesserung, dafür aber neue Fehler feststellen konnte. Garmin bittet in solchen Fällen um Reports an eine spezielle Mail-Adresse – eine Antwort auf meine zwei Fehlermeldungen habe ich natürlich nicht bekommen.

Heute dann taucht plötzlich das Update auf 5.3 auf:

Und das liest sich, „witziger“ Weise genau wie das Update auf 5.1:

Und ebenfalls interessant ist, dass im Changelog NICHT steht, dass es ein Update von 5.1 auf 5.3 ist. Sondern von 4.1. auf 5.3. Passend dazu ist im amerikanischen Forum der Post mit dem Update auf 5.1 nicht mehr zu finden, der untere Screenshot stammt aus dem deutschen Forum.

Offensichtlich gab es also massive Probleme mit dem Update auf 5.1. Doch statt transparent darüber aufzuklären und vor allem statt den Kunden zu sagen welche (neuen) Fehler in 5.3 behoben sind, verschleiert Garmin lieber.

Ob das eine gute Idee ist, lasse ich jetzt mal im Raum stehen. Angesichts der Qualitäten der Fenix 5 ist das aber schon rätselhaft, denn gerade die ist ja ein Paradebeispiel dafür, wie gut Garmin-Geräte sind.

Garmin und Software

Das Garmin gute Geräte baut, bei der Software aber oft versagt, ist ja bekannt. Aktuell zeigt das Unternehmen auch mal wieder eindrucksvoll, wie unfähig es manchmal ist 😀

Beim Update der Fenix 5x auf die 4er-Version trat auf ein Mal ein Fehler im Tracking beim Bergsteigen auf. Wenn man sich auf wenig Fläche auf und ab bewegt, spinnt das GPS. Auch wenn man Glonass zuschaltet.

Ich dachte erst, dass liegt daran das ich den Klettersteig im Landschaftspark genutzt habe – und der ist ja zwischen viel Stahlbeton. Allerdings findet man in den Foren und auf Facebook Leidensgenossen, denen das am Berg genau so passiert.

Die Antwort, die die meisten vom Support bekommen: „Setzen Sie die Uhr auf Werkseinstellungen zurück“. Nutzt natürlich gar nix.

Jetzt ist die Firmware Version 5.1 auf dem Markt und ich werde die Tage mal testen.  Aber noch vor dem Test fällt ein neuer Bug auf:

Beim Hallenschwimmen stelle ich die Bahnenlänge auf 25 Meter. Das hat früher perfekt funktioniert, die Uhr hat jeden Umschlag hervorragend erkannt.

Jetzt?

Jetzt erkennt sie den Umschlag auch, behauptet aber, die Bahnen wären zwischen 25 und 100 Meter lang. Egal ob mit automatischer Schwimm-Stil-Erkennung, Lap-Funktion oder nach einem Factory-Reset: Das Ergebnis ist total für die Tonne.

Im Garmin-Forum gibt es zahlreiche Klagen von Nicht-Fenix-Usern (Vivo-Geräte), die letztes Jahr(!) das gleiche Problem berichtet haben.

Ich wette, auf meine Support-Anfrage bekomme ich die Mitteilung, ich möge die Uhr resetten und still und heimlich wird der Fehler dann mit dem nächsten oder übernächsten Update wieder behoben.

Das ist echt ärgerlich, aber so typisch für Garmin.

Übrigens, beim Klettern trackt mein GPSmap auch im Landschaftspark alles genau so wie es sein sollte. Das ist aber auch schon ein paar Jahre alt und hat schon länger kein Update bekommen 😉

 

Man kann es Garmin nicht recht machen ;-)

Zum Training verwende ich ja die Fenix 5 und das Edge 820. Die Daten laufen in der Garmin Connect-App und auf Garmin-Connect zusammen. So weit so gut.

Das das nicht reibungslos funktioniert, hatte ich schon ausgeführt. Aber jetzt ist mir noch was anderes aufgefallen:

Über die App und Website kann ich prüfen, wie gut ich trainiere. Das mache ich eigentlich mit Strava, das mir hier ein paar nützliche Tools liefert.

Strava Form-Kurve
Strava Form-Kurve

Garmin Connect bietet mir zwar eine Unmenge an Daten an, aber keine vernünftige Aufbereitung. Das, was dem am nächsten kommt ist die Anzeige der Trainings-Performance in der Connect-App:

Und genau hier habe ich ein Problem: Denn Garmin verrät mir nicht, was an meinem Training nicht stimmt. Ich bekomme in der App nur den Hinweis, dass mein Training nicht intensiv genug ist.

Verringere ich jetzt die Dauer des Grundlagentrainings und erhöhe die Intervalle und Schwellen-Belastungen, passiert genau das, was man nicht möchte:

Statt zu wenig, mache ich jetzt angeblich zu viel!

Das irritiert total. Denn ich weiß weder warum Garmin den „optimalen Bereich“ angepasst hat, noch welches Training in welcher Intensität und Frequenz mich in diesen Bereich rücken würde.

An dieser Stelle ich die Trainingsunterstützung von Garmin leider total für die Tonne. Was zusätzlich verschlimmert wird dadurch, dass Garmin sich weigert mir meinen Leistungsstand anzuzeigen:

Trainingszustand? Nicht für dich!
Trainingszustand? Nicht für dich!

Tja und warum? Nun, weil x Mal die Woche auf’s Rad steigen eben nicht ausreicht. Es muss schon Laufen sein:

Bitte gehen Sie laufen. 2 Mal. Mindestens!
Bitte gehen Sie laufen. 2 Mal. Mindestens!

Und da ich nicht laufen gehen, habe ich völlig absurde Ergebnisse. Demnach ist meine VO2max gerade mal 32:

Keine Power!
Keine Power!

Dafür meine Trainingsintensität aber am anderen Ende der Skala:

Soll ich Pause machen?
Soll ich Pause machen?

Das macht natürlich absolut keinen Sinn. Und hier sollte Garmin dringend nachbessern. Ebenso bei der schon kritisierten Tatsache, dass trotz „TrueUp“ eben doch kein vernünftiger Datenaustausch statt findet:

Trainiere ich mit dem Edge, kriegt die Uhr nach wie vor nix davon mit und behauptet im Trainings-Modul, ich hätte nicht trainiert. Während aber in der Tagesübersicht die Einheit natürlich angezeigt wird.

Hier muss Garmin dringend nachbessern, vor allem für all die Sportler die eben nicht Laufen gehen wollen/können und für die, die mehr als ein Gerät nutzen.

Macht Garmin das nicht, ist Garmin Connect an sich wirklich nur eine Datenschleuder von den Geräten zu Strava. Und das wäre doch Schade.

24h von Duisburg 2017

Dieses Jahr sind wir in Duisburg nur zu Gast gewesen. Aber am Sonntag ergab sich die Möglichkeit, die letzte Stunde am Mote Schlacko zu fotografieren.

Und was für eine wahnsinns Stimmung da herrschte! Bin immer noch ganz hin und weg und so sehr ich die 24h von Duisburg auch hasse, ich wäre gerne dabei gewesen. Also als Fahrer 😀

Hier mal ein kurzes Stimmungs-Video:

Und hier die Fotos:

Geismayr und Pernsteiner verteidigen BIKE Transalp-Titel | Süss und Stenerhag feiern Gesamtsieg in der Damenwertung | Termin für 2018 bestätigt

Riva del Garda, 22. Juli 2017 – Daniel Geismayr und Hermann Pernsteiner haben ihren Titel bei der BIKE Transalp powered by Sigma erfolgreich verteidigt. Der österreichische Meister und sein Landsmann saßen für die insgesamt 544,80 km und 17.987 Höhenmeter der Jubiläumsauflage, die über sieben Tage von Mayrhofen an den Gardasee führte, 22:43.02,2 Stunden im Sattel. Das österreichische Duo von Centurion Vaude ist erst das vierte Team, das seinen Vorjahreserfolg wiederholen kann.

 Die erfolgreichen Transalptitelverteidiger Pernsteiner und Geismayr © Miha Matavz
2017 BIKE Transalp powered by Sigma / Finish of 7th stage which led from Lavarone – Riva del Garda on July 22, 2017

Die finale Etappe von Lavarone nach Riva del Garda (79,12 km; 2.117 m) beendeten die alten und neuen Transalp-Champions als zweitschnellstes Team (3:08.45,2) direkt hinter ihren deutschen Teamkollegen Jochen Käß und Markus Kaufmann (3:08.44,4), die damit für eine perfekte Woche für den schwäbischen Rennstall sorgten.

Die Top-4 sicherte sich nicht nur jeden Etappensieg, sondern beendete die 20. Rennauflage der BIKE Transalp auch mit Platz eins und zwei im Gesamtranking.

Rang drei heute (3:09.52,7) wie auch im Endergebnis (22:52.36,4) ging an die Topeak Ergon Racing 1-Paarung Jeremiah Bishop (USA) und Kristian Hynek (CZE), die erst zwei Tage vor Start der einwöchigen Hatz über den Alpenhauptkamm als Team zusammengestellt worden waren.

Wie an den Tagen zuvor auch legten die dominierenden Fahrer der diesjährigen Transalp den Grundstein zum Erfolg in den Anstiegen.

Die Top-3 Teams der Transalp: Centurion Vaude 2 und 1 und Topeak Eargon © Miha Matavz
2017 BIKE Transalp powered by Sigma / Finish of 7th stage which led from Lavarone – Riva del Garda on July 22, 2017

Vor allem in den steilen Auffahrten präsentierten sich die Centurion Vaude-Fahrer in einer eigenen Liga – so auch heute auf dem Weg zum Passo Coé sowie dem Monte Faé, wo sich das Quartett dank guten Teamworks entscheidend absetzen konnten.

„Unsere Taktik ist heute wieder perfekt aufgegangen. Wir haben am ersten Anstieg ordentlich Tempo gemacht, damit wir eine Lücke bekommen zu den Verfolgern. Dann sind die anderen unten in der Fläche wieder herangekommen. Am letzten Anstieg haben wir dann wieder Ernst gemacht und sind weggefahren. Der Sieg war nie Gefahr. Das war ein super Gefühl heute, mit dem ganzen Team vorne wegzufahren“, so Pernsteiner.

Der 26-Jährige weiter: „Der erste Sieg ist natürlich immer etwas Besonderes. Es ist schwer, einen Titel zu verteidigen, aber das war unser Ziel. Wir haben gewusst, dass wir es drauf haben, nachdem die Saison schon dementsprechend gelaufen ist.“

Sein Mitstreiter Geismayr fügte noch an: „Es tut gut, mit dem zweiten Titel zu bestätigen, dass der erste Sieg letztes Jahr kein Zufall war. Das ist schon eine Genugtuung.

Wir fahren jetzt seit drei Jahren im Team zusammen und wissen genau, was wir wann tun müssen. Das hat uns mit Sicherheit noch stärker gemacht.“

Zur Dominanz des Centurion Vaude-Rennstalls in diesem Jahr meinte der WM-Dritte aus diesem Jahr: „Wir haben gezeigt, dass wir zu den Besten gehören.“

Meerendal CBC dominiert Damenwertung

Die Damensieger Esther Süss und Jennie Stenerhag © Miha Matavz
2017 BIKE Transalp powered by Sigma / Finish of 7th stage which led from Lavarone – Riva del Garda on July 22, 2017

Bei den Damen feierten Esther Süss (SUI) und Jennie Stenerhag (SWE) ihren Titel ebenso eindrucksvoll, nachdem das Team Meerendal CBC auch am siebten Renntag ungeschlagen blieb (4:05.27,1).

Für ihren dritten bzw. ersten Transalp-Sieg benötigten die Schweizerin und ihre schwedische Teamkollegin insgesamt 29:33.43,7 Stunden.

„Es ist natürlich super, wenn man nach zwölf Jahren wieder die Transalp fährt und gewinnt. Wir hatten eine super Woche, ohne Defekte, ohne Stürze“, so die 43-Jährige, die im März in Südafrika bereits mit Stenerhag das Cape Epic gewonnen hatte.

„Es wäre schön, wenn bei der Transalp mehr und stärkere Frauenteams am Start wären, denn es ist definitiv machbar. Allerdings sind die Anstiege hier richtig lang, was viele abschreckt“, so Süss abschließend.

Eine Aussage, die auch die 42-jährige Stenerhag, erst seit diesem Jahr ihre Teamkollegin, so bestätigte: „Ich habe noch nie so viele Anstiege hinter mich gebracht. Ich bin sehr, sehr müde, aber auch sehr, sehr glücklich.“

Wertungsführende setzen sich durch

In der Masterklasse sicherten sich Ex-Weltmeister Massimo Debertolis (ITA) und der beinamputierte Costa Ricaner Dax Jaikel von Wilier Force 7C ihren Gesamtsieg (24:55.06,9) ebenfalls mit dem siebten Sieg in Folge in 3:25.06,7 Stunden.

In der Mixed-Kategorie fuhren Silke Ulrich (GER) und Sascha Schwindling (GER) vom Team Herzlichst Zypern 1 nicht nur ihren sechsten Tageserfolg ein (3:38.07,3), sondern auch ihren dritten Titel nach 2014 und 2015 (26:53.08,0).

In der Grand Masters-Wertung unterstrichen Thorsten Damm (GER) und Peter Vesel (SLO) vom Scott Fahrradladen Gudensberg mit ihrem vierten Etappenerfolg heute (3:41.20,6), dass sie das grüne Trikot zu Recht an den Gardasee getragen haben (26:15.03,1).

Weitere Informationen stehen auf der Event-Homepage zur Verfügung.

Packende Finals: Simon Stiebjahn und Clara Brehm holen Sprint-Titel

Vor einer tollen Zuschauerkulisse gingen am Freitagabend in Bad Salzdetfurth die ersten Entscheidungen der Deutschen Cross-Country-Meisterschaften über die Bühne. Bei den Damen holte sich sensationell die Juniorin Clara Brehm das Meister-Jersey im Eliminator Sprint. Simon Stiebjahn gewann zum zweiten Mal nach 2014 DM-Gold in dieser Disziplin. 

(c) Kuestenbrueck

Nie gewann er den Startsprint bis zur ersten 180-Wende, im Halbfinale wäre er um Haaresbreite im Zweikampf gegen Felix Klausmann  (Hausach) rausgeflogen, doch am Ende triumphierte Simon Stiebjahn (Titisee-Neustadt) mit aller seiner Erfahrung, seinem Stehvermögen und seiner Fahrtechnik.

Der Schwarzwälder war auch im Finale der besten Vier nie an erster Position. Erst auf der Zielgeraden jagte er mit dem größten Punch noch an David Horvath (Freiburg) vorbei und gewann eine Rad-Länge Vorsprung seinen zweiten Sprint-Titel nach 2014. 

Zuvor hatte es etliche turbulente Renn-Situationen gegeben. Der Qualifikations-Schnellste Niklas Schehl war als Erster an der ersten Wende, doch David Horvath schnitt gerade in die Kurve hinein, dass Schehl die Bande touchierte und ausklicken musste.

Diese Situation nutzte Julian Schelb (Münstertal) aus der dritten Position heraus, um die Führung zu übernehmen, während sich Stiebjahn vor seinem Bulls-Teamkollegen Schehl an die dritte Stelle setzte.

In der zweiten Runde war es wieder Horvath, der diese 180-Grad-Wende zu einer harten Attacke nutzte, Schelb dabei touchierte und vorbei gehen konnte. 

„Ich bin schon ganz innen gefahren, da war eigentlich kein Platz mehr“, sollte Julian Schelb diese Szene später kommentieren, während Horvath fand, dass man „im Sprint mit einer gewissen Härte“ fahren müsse. 

Schelb fiel durch Horvaths Manöver an die dritte Stelle zurück und Stiebjahn versuchte sich ans Hinterrad von Horvath zu heften. Das gelang dem Allrounder auf der vorletzten Geraden auch. 

Auf der Zielgeraden zeigte Stiebjahn großes Stehvermögen und schoss auf den letzten Metern noch an seinem Konkurrenten vorbei, dem wie 2016 nur die Silber-Medaille blieb. 

„Ich bin überwältigt und erst mal noch sprachlos“, sagte Stiebjahn. So sprachlos war er dann aber dann doch nicht. „Die anderen waren eigentlich besser, wie man in der Quali gesehen hat, wo ich nur Zwölfter geworden bin. Aber Finals haben ihre eigenen Gesetze, da muss man auch clever fahren. Ich wusste, dass ich von Lauf zu Lauf besser werden würde“, erklärte Stiebjahn. „Ich hatte im Halbfinale Glück, aber ich habe meine Chance genutzt. Die Kulisse hier war super, das war eine Werbung für den Sport.“ 

David Horvath gratulierte Stiebjahn. „Klar wollte ich gerne den Titel, aber Stiebi war besser. Für die Zuschauer haben wir eine geile Show geliefert.“ 

Julian Schelb, der 2015 in einem Weltcup-Sprint schon mal Fünfter war, ärgerte sich ein wenig über die entgangene Chance auf mehr als Bronze. „Es ist schon schade. Ich bin zwar schon lange keinen Sprint mehr gefahren, aber ich wusste, dass ich hier mit einer Medaille weggehen werde. Der Angriff von David war hart, aber es gehört im Sprint natürlich auch dazu.“

Für Niklas Schehl blieb nur Rang vier und er war entsprechend enttäuscht. Für ihn war die Aktion gegen ihn nicht in Ordnung. „Ich denke im Finale waren alles super Fahrer, da hätte man schon etwas softer agieren können. Irgendwie habe ich bei Deutschen Meisterschaften immer Pech, ich hätte mich über eine Medaille riesig gefreut“, meinte Schehl enttäuscht, der alle seine Läufe bis ins Finale dominiert und mit elegantem Fahrstil überzeugt hatte. 

Damen: Clara Brehm zittert und gewinnt

Nicht weniger Spannung boten die Damen. Und eine echte Sensations-Siegerin. Clara Brehm drückte der Konkurrenz ihren Stempel auf. Sie lieferte die schnellste Qualifikations-Zeit ab, fuhr Viertel- und Halbfinale jeweils souverän von vorne und nutzte im Finale einen kleinen Fahrfehler von Katleen Bock (Hülben) zur entscheidenden Attacke. 

„Ich wusste, Sprint liegt mir. Ich mag so kurze Distanzen, aber ich konnte im Vorfeld die Konkurrenz im Vorfeld natürlich nicht einschätzen“, erklärte Clara Brehm. Dass sie als Juniorin im jüngeren Jahrgang auch das Stehvermögen über alle Finalläufe hinweg haben würde, das hätte zu Beginn wohl auch kaum jemand gedacht. 

Der Kampf um den Titel wurde auch noch zu einer hauchdünnen Entscheidung. Lena Putz kam aus der zweiten Position auf der Zielgeraden mit immenser Power angeschossen, doch eine Reifenbreite genügte Brehm zu ihrem Sensations-Titel. Das Zitat des Götz von Berlichingen fiel ihr als Erstes ein als ihr Sieg feststand.

„Ich habe mich umgedreht und schon noch ein bisschen gezittert. Das ist der Hammer. Damit habe niemals gerechnet, auch nicht als ich die schnellste Quali hatte“, kommentierte die 17-jährige aus dem bayrischen Waldaschaff. 

Dass mit Katleen Bock eine zweite Juniorin im Finale stand, war bemerkenswert. Ihr fehlte nach ihrem kleinen Hinterrad-Rutscher einfach die Kraft um sich gegen Lena Putz (Hutthurm) und Susann Frey zu behaupten. 

Lena Putz hätte sich zwar über ihren erste Sprint-Meister-Titel gefreut, doch sie nahm es sportlich. „Ich hatte ein zu schlechtes Zeitfahren und daher immer eine schlechter Position am Start. So ist das. Aber ich fand es war ein geiler Event und Bad Salzdetfurth hat uns eine tolle Strecke geboten“, sagte Putz. 

Mit Susann Frey (Warmbronn) stand eine weitere große Überraschung auf dem Podest. „Ich kann das noch gar nicht glauben. Ich wusste zwar, das sich sprinten kann, aber mit einer Medaille habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich bin ganz ohne Erwartungen hierher gekommen“, sagte die 21-Jährige. 

 

Packende Duelle, großartige Manöver, hauchdünne Entscheidungen, sportliche Dramen, die sechsten Deutschen Meisterschaften im Eliminator Sprint hatten alles, was den Sport attraktiv macht. Und eine Kulisse an der Lamme, die für eine lautstarke und großartige Atmosphäre sorgte. 

 

Nicht erst im Finale, sondern schon in den Läufen zuvor gab es tollen Sport zu sehen und bisweilen sogar Szenen-Applaus für gelungene Überhol-Aktionen. 

RS 1 – eine Erfolgsnummer?

Ich bin ja großer Fan des RS 1 und ähnlicher Projekte.

Jetzt hat die Metropole Ruhr einen Image-Film veröffentlicht, der einen interessante Satz enthält, der die gesamte gesellschaftliche Sprengkraft von Radschnellwegen ausdrückt:

(bei ca. 1200 Radfahrern täglich) „das besonders Spannende: Wir können die Berufsverkehrzeiten sehr deutlich ablesen“

Eines der Gründe für den RS 1 ist ja eben die Entlastung der Umwelt und Autobahn, in dem man Menschen die Möglichkeit nutzt, im Ruhrgebiet schnell und sicher mit dem Rad von A nach B zu kommen.

Das das schon so (deutlich) genutzt wird, wo erst ein kleiner Teil überhaupt gebaut ist, ist durchaus beeindruckend.

Und beweist: Die Mobilitätswende ist längst da. Und wird nur von den Großen in Wirtschaft und Politik verschlafen.