Canyon Lux CF 7.9 Race – Ein Zwischenbericht

Vor ein paar Wochen hatte ich mir ja eher spontan ein Canyon Lux 7.9 Race gekauft (hier die Website von Canyon). Inzwischen habe ich knapp 400 km mit dem Bike geradelt – Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Das Bike ist ein Spaß-Garant!

Auf gerader Strecke nicht so pfeilschnell wie das Bergamont Revox oder gar das Trek ProCaliber von Julia. Aber ausreichend 😉

Dafür ist es auf den Trails absolut genial. Durch die entsprechende Geometrie ist es sehr verspielt und zirkelt um deutlich engere Kurven als die beiden Anderen. Sowohl bergauf, als auch bergab.

Aber auch wenn sich die technische Ausstattung bei Canyon ja total gut las, ein paar Haken hatte das Bike dann doch:

1. Die Reifen

Ab Werk kam das Bile mit Conti RaceSport. Und ich liebe Conti. Das Problem war, dass ich die Mistdinger einfach nicht Dicht bekommen habe. Das Problem kenn ich ja von Conti schon, deswegen habe ich dann doch schweren Herzen Schwalbe aufgezogen. Und ihr könnt mir sagen, was Ihr wollt: Die sind auf trockenem, losen Boden nicht annähernd so bissig wie die Conti. Aus Pannenschutzgründen habe ich die TLE, nicht die Snake-Skin gewählt:

Wir wissen inzwischen, dass die Snake-Skin zwar auch extrem leicht auf TL umzurüsten sind (ist am Trek so passiert), aber dass sie eben auch deutlich empfindlicher z. B. auf Dornen reagieren. Und da ich eh nicht der filigranste unter den Fahrern bin…. 😉

 

2. Die Schaltung

Das Lux war mein erstes 1×11-Bike und ich war skeptisch, wie ich mit der Schaltung zurecht kommen würde. Und gerade die war eine herbe Enttäuschung.

Zuerst war mir nicht klar, was mich eigentlich so ansickt. Doch inzwischen kann ich sagen, dass es die XT-Kassette 46-11 ist. Bzw. die Abstände  zwischen den großen Ritzeln: 46-37-32-28

Das führte dazu, dass ich immer das Gefühl hatte, entweder einen zu leichten oder zu schweren Gang zu erwischen.

Jetzt habe ich mal eine SunRace-Kassette 50-11 installiert. Dort ist die Abstufung: 50-42-36-32-28 und ich bin mal gespannt ob das Besser ist. Die 46-11 wandert auf das Enduro, dass ich demnächst auf 1-fach umbaue.

Die SunRace ist natürlich riesig und mit 527 Gramm auch 50 Gramm schwerer als die XT. Andersherum kann man auch sagen, sie ist nur 50 Gramm schwerer und da ich schon bei den Reifen nicht so auf das Gewicht geachtet habe…

3) Der Rahmen

Offensichtlich spart man heute wo man kann: Das Lux ist top verarbeitet (unser Team-Schrauber ist voll des Lobes), aber offensichtlich nicht bis ins Letzte durchdacht:

Obwohl der Rahmen für eine Innenverlegung vorgesehen ist, laufen die meisten Leitungen auf dem Rahmen.  Sieht man ganz oben auf dem Bild gut.

Und das ist ein Problem:

Denn der Lack ist so dünn, das schon jetzt überall dort, wo Leitungen in rauem Gelände aufschlagen können, Macken im Lack sind.

Ich habe jetzt überall da, wo das passieren kann, Folien aufgeklebt. Bin aber ehrlich gesagt ein bisschen agepisst, weil das ja eigentlich nicht sein kann. Da muss ich doch als Hersteller entweder den Lack so aufbringen, dass er deutlich weniger empfindlich ist – oder die Leitungen anders verlegen.

Denn gerade das Lux ist ja kein Bike für die Straße. Das es da schon mal rauer wird, sollte klar sein.

4. Das Gewicht:

Mit den serienmäßigen Laufrädern, der fetten Kassette und ansonsten weitestgehend im Originalzustand kommt das Bike auf aktuell 11,21 KG

Das ist etwas schwerer als das Revox und deutlich schwerer als das Trek. Dafür nur etwas leichter als das Enduro. Für ein Marathon-Bike eigentlich schon recht schwer.

Interessanter Weise merkt man das kaum. Denn vor allem im Antritt bergauf ist es um ein vielfaches besser zu beschleunigen, als das Enduro, dass Stand heute (vor dem finalen Umbau) bei 12,5 kg liegt – was allerdings für so ein Bike schon ausgesprochen gut ist.

Fazit

Ich ärgere mich über den Lack. Aber das ist echt das Einzige, was ich wirklich an dem Bike auszusetzen habe. Das ich mit der Kassette nicht so glücklich werde, ist sicherlich eine Frage der Gewohnheit Und ich bin mal gespannt wie die sich am Enduro (28er Kurbel) macht, im Vergleich zu der 32-Kurbel am Lux.

Insgesamt aber muss ich sagen, dass das Canyon Lux sein Geld echt wert ist. Die Verarbeitung ist top, der Rahmen ausgesprochen Steif und auch mit meinem Gewicht von 95kg nicht überfordert.

Was das Verblüffenste ist, mit welcher Leichtigkeit es auch bergab etwas härtere Trails mit Stufen, Kickern und Wurzeln meistert. Das führt zu der lustigen Situation, dass Besuche auf Trails, auf denen ich sonst nur mit dem Radon oder Bergamont war, zu wilden Strava-PR-Sammelaktionen werden:

In der Zusammenfassung:

Wer nicht auf jedes Gramm schaut und ein wendigs und vortriebsstarkes Race Dully sucht, der ist mit dem Lux gut beraten.

3 Gedanken zu „Canyon Lux CF 7.9 Race – Ein Zwischenbericht“

  1. Irgendwie finde ich es erstaunlich, wie wenig Leute sich vor dem Kauf eines neuen Bikes mal mit dessen Übersetzungen und der zur Verfügung stehenden Bandbreite auseinandersetzen. Unter http://www.ritzelrechner.de gibt es hierfür ein tolles Tool, was es einem auch ermöglicht, die Übersetzungen des alten und des neuen Bikes gegenüber zu stellen und da sieht man dann ganz schnell, ob einem an einem oder beiden Enden etwas fehlt, oder ob vielleicht sogar die Sprünge zu groß sind. Ich würde vermuten, dass du mittelfristig auch mit der Sunrace-Kassette nicht glücklich wirst, denn zum einen sind elf Gänge für die meisten Leute immer noch mindestens einer zu wenig und zum anderen verlangt die vorhandene Bandbreite hier immer noch nach einem Kompromiss. 1×11 kam für mich persönlich daher von Anfang an nicht in die Tüte.
    Eine Alternative wäre vielleicht der Blick über den Zaun zur SRAM Eagle, aber das kommt ja für dich nicht infrage…. 😉
    Aber unter uns gesprochen: Die Eagle ist nicht nur technisch ein Schmankerl, auch die Funktion ist über jeden Zweifel erhaben. Da hat Shimano noch etwas Arbeit vor sich, insbesondere beim Gewicht.

    1. Hallo Dieter,
      wie Du vielleicht in dem Radon-Artikel gelesen hast, rechne ich durchaus 😉 Aber rechnen ist das eine, (er)fahren ist das andere:

      Es gibt bestimmt Leute die Anhand der Zahlen sehen können ob etwas passt oder nicht – ich muss Dinge erleben, damit ich das entscheiden kann. Du kannst ja dem ersten Canyon-Artikel entnehmen, dass es mein erster Versuch mit 1fach-Schaltung war.

      Übrigens: Die dicke Kassette habe ich nur bedingt wegen der größeren Bandbreite – da reichte mir auch die 11-46 bisher aus. Für die Dinge die ich fahre. Und da komme ich auch mit 11 Gängen aus, weniger würden vermutlich auch reichen. Es war tatsächlich die individuell empfundene Situation zwischen den oberen 3 Ritzeln – und da ist die SunRace viel besser.

      Natürlich ist die Eagle geil. Aber geil ist nicht das was ich suche, ich versuche immer auch preislich auf dem Boden zu bleiben. Und ich schließe nichts direkt aus, ich habe nur leider die Erfahrung gemacht, dass ich bisher mit Shimano am wenigsten Stress habe. Und wenn ich dann schaue was ein Verschleißset für die Eagle kostet, kommt noch ein zweiter Faktor dazu 😉

      Es ist also nicht „der hat vorher nicht geguckt“, sondern eher ein „der überlegt und probiert dann“. Sonst hätte ich an dem Canyon das bewährte 2×11 genommen.

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