Schlechte Nachrichten, gute Nachrichtchen ;-)

Die NRZ berichtet heute sehr ausführlich darüber, dass die Anzahl der Berufspendler weiter steigt. Insgesamt 60% der Meschen pendeln demnach von einer in die andere Stadt und in Voerde, meiner Heimat, reden wir von >80%.

An dieser Stelle könnte jetzt ein Rant darüber folgen, dass das ein wunderschönes Beispiel dafür ist, was in Deutschland schief läuft. Von verfehlter Arbeitsmarktpolitik (Förderung von Tele- und Heimarbeit etc.) oder über Verkehrspolitik aus dem letzten Jahrtauend.

Aber… ich will es mal anders sehen: Im Schnitt legen diese Menschen 16,8km zurück. Das entspricht auch ungefähr der mittleren Entfernung für MIV im Rahmen der RS1-Machbarkeitsstudie.  Distanzen unter 20 km sollten eigentlich für alle mit dem Rad machbar sein – im Zeitalter von eBike und Jobrad ja sogar noch eher.

In sofern freue ich mich natürlich, wenn der Spiegel heute einen Artikel dazu bringt, dass die Bundesregierung „massiv“ in die Radwege-Infrastruktur investieren will: 100 Millionen für Radwege und 25 Millionen Euro für Radschnellwege. Klingt ja erst mal prima.

Vorsichtig muss man werden, wenn man sieht das die „guten Nachrichten“ von CDU-Staatssekretär Norbert Barthel verbreitet werden. Den haben wir noch in Erinnerung für seine Aussage, Straßen wären für Autos und Autos nicht für Tempo 30 gebaut.

Allerdings kann man mit 25 Millionen für Radschnellwege schon einiges reißen. Zu den Baukosten von Radschnellwegen schreibt Wikipedia:

Die Kosten für das Anlegen von Radschnellwegen sind sehr stark abhängig vom Anteil an Brücken und Tunneln sowie von den notwendigen Trassierungsarbeiten. In den Niederlanden werden 0,5 bis 2 Mio. Euro pro Kilometer Radschnellweg (inkl. Beschilderung und Beleuchtung) kalkuliert. Ersten Schätzungen zufolge wird der Bau von Radschnellwegen in Deutschland etwas kostengünstiger ausfallen, da hier oft die bestehende Verkehrsinfrastruktur ausgebaut und vorhandene Wege genutzt werden sollen. In Belgien, wo eine ähnliche Strategie verfolgt wird, werden die Kosten zwischen 0,3 und 0,8 Mio. Euro pro Kilometer kalkuliert.

Autobahnen dagegen kosten, wenn man Statista glauben will, mal eben locker 10 Millionen Euro pro km.  Das wäre bei einem angenommenen Mittelwert von 1 Million Euro pro km Radschnellweg das 10-Fache.

Das ist auch der Grund, warum ich nur von guten Nachrichtchen sprechen möchte. Denn nach der Logik würde ja bei 25 Millionen für Radschnellwege 250 Millionen für Autobahnen geplant sein. Wenn man davon ausgeht, dass der Bund den Radverkehr wirklich ernsthaft als Alternative zum Autofahren aufwerten will.

Ein Blick in den Bundesverkehrswegeplan eröffnet aber, dass bei einem Gesamtvolumen von 270 Milliraden(!) Euro Radwege überhaupt keine Rolle spielen. Wikipedia listet die Verteilung wie folgt auf:

Bis zum Jahr 2030 ist ein Investitionsvolumen von mehr als 264,5 Milliarden Euro vorgesehen. Sein Volumen ist damit um 91 Milliarden Euro größer als das des Bundesverkehrswegeplan 2003. Die Hälfte (49,4 %) steht für Bundesfernstraßen zur Verfügung stehen, der Rest verteilt sich auf Bundesschienenwege (41,3 %) und auf Bundeswasserstraßen (9,3 %). 69 % des Gesamtvolumens sollen für die Erhaltung und Erneuerung der Verkehrswege eingesetzt werden. Zuvor war von 65 Prozent die Rede.

Wenn man versucht rauszufinden, wie viel jetzt eigentlich in Radverkehr investiert wird, muss man schon eine Weile Google bemühen.  Auf Nationaler-Radverkehrsplan liest man z. B.:

Der Bund stellt im Jahr 2016 rd. 98 Mio. Euro für den Erhalt und die Erweiterung dieses Netzes bereit. Hinzu kommen 3,2 Mio. Euro für die Förderung von Modellprojekten zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans und 1,3 Mio. Euro für die Ertüchtigung von Betriebswegen an Bundeswasserstraßen für den Radverkehr. Darüber hinaus können auch die Bundesmittel nach dem Entflechtungsgesetz von den Bundesländern in die Radverkehrsinfrastruktur investiert werden.

Das wären dann gut 100 Millionen aus 270 Milliarden. Enthalten sind natürlich die weiter oben angekündigten  Millionen für die Radschnellwerge. Die kommen nicht on top. (Die 270 Milliarden enthalten allerdings auch Schienen und Wasserstraßen).

In der Summe wirkt das erstaunlich wenig. Auf der anderen Seite muss man aber sagen, dass offensichtlich wirklich ein Umdenken statt findet. Ein sehr langsames Umdenken, aber eines das der Theorie folgt, dass es 2017 eben nicht mehr darum geht, die Welt um das Auto herum zu planen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir irgendwann mit den Niederlanden darum konkurrieren werden, was wirklich gute Radinfrastruktur ist. Es dauert halt noch ein oder zwei Jahrzehnte 😉

2 Gedanken zu „Schlechte Nachrichten, gute Nachrichtchen ;-)“

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