Race am Rhein: Pleiten, Pech und Erfolge

Manchmal hat man ja so Tage, wo man am Ende mit einem Glas Whisky in der Hand in seinem Ohrensessel liegt und denkt:

Wie irre war das denn jetzt?

Heute war so ein Tag. Denn heute war Race am Rhein-Tag.

Zum RaR hatte ich mich schon ziemlich früh angemeldet. Unmittelbar nachdem bekannt wurde, dass ein Teil der zweiten Etappe Tour de France 2017 als Jedermann-Rennen „getestet“ werden soll und da die in Düsseldorf startet… quasi ein Heimrennen.

Am Samstag konnte bereits die Starterpakete abgeholt werden und ich fand das ziemlich klasse organisiert. Mein erster Eindruck war nämlich: Uff, ist das voll hier. Aber offensichtlich hilft gute Organisation: Tisch 1 Startunterlagen abholen. Tisch 2 Starterpaket abholen. Tisch 3 Transponder testen. Fertig. Trotz 20 Leuten vor mir hat das keine Viertelstunde gedauert.

Sonntag Morgen dann Raceday. Für mich sollte Start um 11.45 sein und deswegen habe ich den Zug um 10:14 genommen. Der sollte um 10:56 in Düsseldorf sein. Der Start war Fußläufig 10 Minuten vom Bahnhof, also mit einigen Umwegen perfekt zum Warmfahren zwischen Hauptbahnhof und Start. Und selbst 30 Minuten Verspätung wären maximal drin gewesen.

Hätte, könnte, wäre, würde. Denn ich, der ich so gerne den Leuten erkläre, warum ich viel lieber mit der Bahn zur Arbeit pendel als mit dem Auto musste wieder lernen: Wenn Du überlegst um 9:14 zu fahren oderr 10:14 und Du denkst 9:14 ist zu früh… mach es trotzdem.

Denn unmittelbar nach dem Einsteigen fiel auf, dass unter bestimmten Bedinungen nicht nur die Türseite zum Bahnhof geöffnet werden kann, sondern auch die andere. Den Triebwagenführer störte das soweit nicht, die Zugbegleiter schienen es im Griff zu haben.

Bis in Duisburg der Triebwagenführer wechselte. Und ich den Neuen sagen hörte „so fahren wir nicht!“ Es war 10:42.

Ich habe dann explizit gefragt: Fahren Sie oder sollen wir umsteigen? Nein, wir fahren, das dauert nur ein paar Minuten. Und nach ein paar Minuten kam die Durchsage: Es dauert ungefähr 10 Minuten.

Um 10:52 kam auf dem Nachbargleis ein Zug nach Düsseldorf. Und fuhr um 10:53 weiter. Und um 10:55 hieß es bei uns: Nichts geht mehr, der Zug endet hier.

Jetzt war ich nicht der Einzige im Zug, der zum RaR wollte. Aber offensichtlich der Einzige, der um 11:45 starten wollte. Denn der nächste Zug kam erst um 11:22 und es war klar: selbst bei planmäßiger Ankunft um 11:37 wird das knapp.

Dummerweise war aber der Zug um 11:22 natürlich super voll – er musste ja auch alle Leute aus unserem Zug aufnehmen. Was bedeutete, dass wir am Zwischenhalt Airport relativ lange gebraucht haben: Wir Zusteiger mussten raus, die Aussteiger stiegen aus, wir wieder ein.

Das Rennen war abgehakt.

Ich musste aber ja eh nach D’dorf um den Transponder zurück zu geben. Also dachte ich: Feuerst Du eben die anderen an. Bin dann auch vom Bahnhof aus zum Start gerollt, wo alles bereit stand und es kurz vor dem Startschuss war. Die Blöcke waren natürlich geschlossen, ich hätte irgendwo vorne in B gestanden.

Wie ich da so deprimiert an der Startaufstellung langrolle, neben mir auf ein Mal betriebsame Hektik: Eine Ordnerin sprintet auf mich zu, schreit mich an: „Hier rein! Schnell!“ und macht den Zaun auf. Keine 10 Sekunden später: Startschuss.

Ich hatte meine Kopfhörer noch drin, die Handschuhe nicht an und nicht mal meine Windjacke richtig an, da war ich schon im Rennen. Oder warm fahren, ohne den geplanten Riegel ohne alles, war ich mitten drin. Völlig unerwartet.

Die kurze Strecke bis zum Tunnel konnte ich nutzen um mich etwas frei zu fahren und nach dem Tunnel war die Taktik: Vollgas und überleben. Mir war klar, dass die 46km nicht viel mehr als eine Stunde dauern dürften. Also musste ich nicht sparen, sondern konnte einfach Gas geben.

Ursprünglich war meine Taktik, die ersten 8km langsamer zu fahren und dann in den ersten Anstieg herein Gas zu geben, auch wegen der Bergwertung. Das war natürlich jetzt obsolet.

Tatsächlich habe ich die langsamere Bergfahrt dann genutzt, meine Windjacke zu verstauen, die Kopfhörer los zu werden, ein Gel zu nehmen.

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Nach dem ersten „Berg“ hieß es dann: Gruppenspringen.

Ich bin immer so lange in einer Gruppe geblieben, bis eine überholte die schneller war. So lange bis ich in einer Gruppe war, die so fuhr wie ich mir das vorstellte. So sind wir dann in den zweiten Berg gekommen und gefühlt bin ich sehr gut dabei gewesen.

Nach dem zweiten „Berg“ ging es ja mehr oder weniger bergab und unsere Gruppe hat ordentlich Stoff gegeben. Der Haken war, dass von den ganzen Fahren am Ende nur noch 5 übrig waren. Dann 3. Dann 2.  Wir trafen noch ein paar Leute und wurden wieder mehr, dann weniger.

Kurz vorm Ziel war ich wieder vorne und Blick nach Hinten: Mein Mitfahrer, der mich über weite Strecken in seinem Schatten hat fahren lassen, war weg!

Er konnte nicht mehr. Also habe ich rollen lassen, weil ich nicht so arschig sein wollte, vor ihm über die Ziellinie zu rollen. Schließlich sind wir Hand in Hand durch den Zielbogen und haben die Finisher-Medallie umgehängt bekommen:

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Absolut Irre. Und im Ergebnis war ich mehr als zufrieden:

  • Platz 147 aus unglaublichen 1409 Männern und
  • Platz 40 von 314 in meiner Altersgruppe

So gut war ich schon lange nicht mehr in einem Rennen. Was ich aber in großen Teilen meinen Mitfahrern verdanke.

In der Team-Wertung landete Nutrixxion auf Platz 4:

  • 1023 Haseleu, Christian 01:06:50.914 34
  • 1122 Meiners, Stefan 01:13:25.638 154
  • 2037 Oehl, Holger 01:15:07.692 263
  • 1125 Hamburger, Stefan 01:15:09.637 266

Insgesamt bin ich ziemlich geflasht gewesen.

Übrigens auch vom Rennen an sich: Nicht nur war die Strecke sehr gut gewählt und präpariert. Auch die Anzahl an Ordnern und helfenden Händen war beeindrucken.

Der Nachziel-Bereich dann aber übertraf eigentlich alles:

Erst Getränke von Dextro. Dann Obst, Laugenstangen, Kuchen. Dann alkoholfreies Bier und Red Bull. Dann der Grohe-Duschtruck, in den wir uns ja schon damals in Duisburg verliebt haben….

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Dann die Gepäckausgabe, die Transponder-Rückgabe. Alles flüssig, nirgendwo schlangen und alles so abgesperrt, dass wirklich nur Fahrer/-innen sich dort aufhalten konnten. Irre, was Düsseldorf für 50€ Stargebühr geboten hat. Bzw verglichen damit peinlich was andere ähnlich teure Veranstaltungen nur bieten.

Zusammenfassend: Ich bin echt glücklich über meine Zeit. Warm gefahren und weniger mit Metzchen hätte ich vielleicht sogar noch 30 Sekunden  bis 1 Minute raus holen können. Alles in allem aber ein super Rennen. Von der Anmeldung am Samstag bis zum Zug nach Hause am Sonntag Nachmittag.

Sieht man mal von der „kleinen“ Katastrophe morgens ab. Denn da war ich mir echt sicher, dass das Rennen gelaufen ist. Gut, dass ich mich geirrt habe.

P.S. Wie Arschgeil war denn bitte die Tunneldurchfahrt vor dem Ziel? Das brauche ich jetzt öfter, bitte!

3 Gedanken zu „Race am Rhein: Pleiten, Pech und Erfolge“

  1. Hallo Stefan,

    ich glaube wir sind “Hand in Hand” über die Ziellinie beim Race am Rhein gerollt (schwarze Klamotten, schwarzes Rose Rad, neon gelbe Giro Schuhe – Startnummer 1041) . Habe gerade deinen Bericht über das Rennen auf deiner Seite gelesen.
    Ich fand die Aktion am Ziel von dir sehr gut. Die Kilometer mit dir waren wirklich flott und ich bin von dem Rennen ähnlich “gefläscht” wie du. Es war mein erstes Rennen und sicherlich nicht das letzte.

    Hoffe im nächsten Jahr (falls es eine Neuauflage gibt) weiter vorne starten zu können und dann noch flottere Züge zu haben. Meine Renntaktik war ähnlich deiner – Züge die vorbei wollen nehme ich als Windschatten.

    Leider gibt es von der Zieldurchfahrt keine Bilder. Großer Sport von dir mir dort den Vortritt anzubieten.

    Mit sportlichen Grüßen
    Christian Steber

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