Garmin Edge 820 – 1st Hands on

Gestern kam endlich das lang ersehnte Paket aus England: Garmin schickte uns einen Edge 820 und obwohl gestern keine Rad-Tour geplant war, war es durchaus angebracht, schon mal damit zu spielen.

IMG_8330Etwas irritierend ist, dass auf dem wertigen Karton steht „actual size“. Ist der wirklich so klein? Ja ist er, klein und knubellig kommt er aus dem Karton.

Der Edge 820 ist deutlich kleiner als der 810er (auch das Display), erfreut aber mit einem hellen, gut ablesbaren und farbenfrohen Bild.

Garmin selbst schreibt, dass der Edge820 endlich den Touchscreen mit sich bringe, auf den ich gewartet habe. Und genau hier kommt der erste Wehmutstropfen:

Das Display des Edge 810 war ebenfalls schon mit Handschuhen zu bedienen und reagierte sehr feinfühlig auf Druck mit dem Finger. Der Edge 820 dagegen kommt einem vor wie ein hyperaktives Kind, denn der kapazitive Touchscreen reagiert schon bevor der Finger aufliegt.

Warum das Display kleiner ist als beim 810er und warum Garmin es immer noch nicht schafft, Geräte ohne fetten schwarzen Plastikrand um das Display zu bauen, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Ganz übel ist, wenn man mit großen Händen den Garmin in der einen Hand hält und mit der anderen Bedienen will: man drückt überall, nur nicht da wo man will. Mit einer Hand geht es besser, ist aber definitiv eine Sache der Übung.

Das Menü gliedert sich scheinbar offensichtlich in 3 Hauptpunkte plus IQ und das Systemmenü. Hier kommt dann wieder Garmin zum Vorschein, denn wie schon seit eigentlich immer ist die Software der Haken an der Technik.

Der Edge 820 versucht alles richtig zu machen und damit geht alles schief. Hier ein paar Beispiele:

  • Ich wollte aus dem Garmin Connect-Store gerne „Edge6“ installieren. Das geht auch, nur taucht dann unter IQ nix auf. Denn es handelt sich um ein Datenfeld, dass man nur im Menü der Aktivitäten aktivieren kann. Unter IQ gibt es nur Apps, für das Edge 820 hat mir der Store aber keine Apps angeboten. Also ein Menü ohne Inhalt und ohne Möglichkeit es auszublenden.
  • Das Einrichten eines Notfall-Kontakts für den Unfall-Sensor verwirrt mit einer deutsch-englischen Nachricht, dass man dafür erst einen Kontakt in der Garmin-App auf dem Handy anlegen möge. Dort findet man aber keine solche Funktion. Des Rätsels Lösung ist, dass man Handy und App verbinden muss, dann auf dem Garmin Edge die Funktion für den Notfall-Kontakt startet, darauf hin auf dem Handy die Frage auftaucht ob man einen neuen Kontakt anlegen möge. WTF?
  • Um die Handy-Features zu nutzen, reicht es nicht, den Garmin mittels Bluetooth mit dem Handy zu koppeln. Das ist nur für die „Basis-Funktionen“ wie z. B. automatische Uploads. Will man auch die Anrufanzeige nutzen, muss man eine zweite(!) Bluetooth-Verbindung einrichten.
  • Ankommende Anrufe und SMS werden zwar auf dem Display angezeigt, nur damit machen kann man nix (z. B. mit einer voreingestellten SMS „Bin beim Sport“ antworten. Auch der Aufruf der Nachrichten ist anders als beim GPSmap64 nicht über die Power-Taste möglich.

Wie das so bei Garmin ist, wird nach und nach vieles davon sicher besser. Wir sprechen uns noch mal in einem Jahr 😉

Was nicht besser werden wird, sind die Design-Fehler:

IMG_8331Unten auf dem Gerät seht ihr die Lap- und die Start-/Stop-Taste. Oder glaubt sie zu sehen, denn das was aussieht wie Sensortasten sind nur Bilder, die auf die vor dem Gerät liegenden Knöpfe hinweisen.

Die sind auf dem Rad natürlich deutlich umständlicher zu erreichen als Tasten die wie beim Edge 810 oben auf liegen.

Die eigentliche Krux ist aber der USB-Anschluss. Hier hat Garmin nicht nur ohne Not auf schnell sterbende Micro-USB-Buchsen gewechselt. Viel schlimmer ist, dass der Anschluss unter dem Gerät in der Nähe der Halterung ist. Das bedeutet, dass bei z. B. 24h-Rennen ein Akku-Pack nicht mehr angeschlossen werden kann, wenn der Garmin am Lenker festgemacht ist.

Kommen wir aber mal zu  den guten Nachrichten:

Die Ersteinrichtung geht relativ schnell, vor allem weil man das eingebaute WLAN-Interface am PC einrichtet und den WLAN-Key nicht über den furchtbaren Touchscreen eingeben muss. Die Nachrichten für den Start-Screen werden wie eh und je in der Text-Datei abgespeichert und jenseits der augenfälligen Neuerungen ist ein Edge ein Edge und bleibt ein Edge.

Sehr schön ist, dass Garmin von der bisherigen Produktpolitik abweicht, die Karten für teuer Geld extra zu verkaufen. Das Edge 820 kommt mit einer Routingfähigen Bike-Karte für Europa vorinstalliert.

In den nächsten Tagen wird das gute Stück jetzt auf Herz und Nieren getestet. Und zwar nicht mehr am Schreibtisch, sondern draußen. Denn das ist ja, was zählt 🙂

 

Edith sagt: Fehler beim USB-Anschluss behoben. Danke Markus.

10 Gedanken zu „Garmin Edge 820 – 1st Hands on“

  1. Die Bluetooth Geschichte ist doch beim Edge 1000 und in zwei verschiedenen Protokollen begründet. BLE dient dem Datenfluss Handy -> Garmin und BT Garmin -> Handy. Weder neu noch sonderlich falsch.

    Was die Größe angeht, so ist der Edge eher eine technische Erweiterung des 520 und an dessen Größe orientiert. Daraus hat Garmin nie einen Hehl gemacht, denn das stand sogar in der PM 🙂 Es ist eben nicht der 810 Nachfolger, sondern ein Kompromiss aus Größe und Dunktion zwischen 1000 und 520. und damit schließt Garmin eine super Lücke, denn der 520 bietet ohne Routing nicht alle benötigten Funktionen, während der 1000 etwas zu groß geraten ist.

    1. Die Produktpolitik bezog sich auf den Vergleich 810 -> 820. Den 1000er habe ich ja bewußt ausgeklammert. Auch hast Du recht das es nicht „falsch“ ist, zwei BT-Kanäle aufzumachen. Es ist nur sinnlos (wie man unter anderem am GPSmap 64s sieht, dass ich ja auch mit dem Handy gekoppelt nutze) Die Nutzer werden verwirrt, weil sie zwei BT-Verbindungen im Smartphone einrichten müssen. Das kann man eleganter lösen.

      Die Pressemitteilung habe ich bewußt nicht gelesen. Die Aussage, der 820 sei nicht der Nachfolger des 810 ist allerdings etwas, das so nicht unwiedersprochen stehen bleiben kann. Dann wäre es ein 9xx geworden, kein 820. Der ist schon ganz bewußt so positioniert.

  2. Ich finde, dass sich Garmin mit seiner aktuellen Edge-Reihe zu sehr an den Rennradfahrern orientiert. Mein Edge 1000 ist eigentlich ein tolles Gerät, aber der Touchscreen nervt auf dem MTB einfach nur. Auf einem leicht holprigen Wiesentrail kann man den Touchscreen auf keinen Fall mehr vernünftig bedienen, das war am alten 705er mit seinen klar definierten Tasten einfach besser. Ich brauche eigentlich keinen Touchscreen und ohne den, wäre der Stromverbrauch sicher auch geringer. Das Problem mit der Position des Micro-USB Anschluss kann ich nur bestätigen. Im Falle einer sehr langen Tour mit Zusatzakku ist das sehr ungünstig. Aber Garmin wäre nicht Garmin, wenn die Software und Bedienung keine Macken hätten. Man muss sich intensiv einarbeiten und mit den Funktionen vertraut machen. Besonders intuitiv sind die Geräte nicht, wobei es bei den neueren Geräten schon deutlich besser geworden ist. Letztendlich jammern wir hier auf sehr hohem Niveau.

    1. Das kann man so unterschreiben. Auf dem Rennrad sind die Tasten (vor allem an der Aero-Halterung) auch kein Problem.

      Ein wenig schade ist, dass es keine wirklich Alternative mit Tasten gibt. Das GPSMap 64s kann zwar auch alle Sensoren ansprechen, ist mit dem Gewicht und der Form aber kein Konkurrent. Alternativ hätte es halt geholfen, wenn die beiden Tasten wirklich als Sensortasten oben realisiert worden wären.

      Und ich bin froh das ich nicht der Einzige bin, den Touchscreen reichlich irritierend findet. Vor allem, wenn man die Zuverlässigkeit und Genauigkeit des 810 gewohnt war und vor dem Hintergrund, dass der 820 ja deutlich kleiner ist.

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