24 Stunden von Duisburg: Weiter ein totes Pferd reiten?

Das MTB Rennen „MAGURA 24 Stunden von Duisburg“ genießt einen gewissen Kultstatus und auch wir waren dieses Jahr das 5. Jahr in Folge vor Ort.

Ob wir nächstes Jahr fahren, stelle ich mal in Frage. Denn meiner Meinung nach ist das Rennen eigentlich tot und jeder, der die happigen 100€ Startgebühr zahlen will, sollte sich das sehr gut überlegen.

Da sind zunächst die immer offensichtlicheren Defizite: Obwohl die Strecke immer mehr gekürzt wird und mittlerweile (laut Strava) nicht mal mehr 7km lang ist, ist die Teilnehmerzahl irre hoch. Nachts geht es gerade noch, aber tagsüber droht ständig Stau-Gefahr. Von 4 Minuten an der Brücke bis 30 Minuten war alles dabei. Rumstehen wohl gemerkt.

Um aber die eigenen Kosten zu reduzieren, wird seit Jahren dazu gedrängt, dass die Teams für weitere 80€ oder so ein Dixi-Klo mieten. In der Folge dessen, dass viele das machen, wurden die Toiletten und Duschen weiter reduziert. In unserem riesen Bereich gab es 4(!) Duschen – auch hier war ständig Stau und warmes Wasser gab es eher selten. Auch die 4(!) öffentlichen Toilettenkabinen waren nur nach Wartezeit zugänglich. Die Folge? Massig Wildpinkler.

Die Nudelparty besuchen wir schon lange nicht mehr. Die Qualität hatte letztes Jahr ihren absoluten Tiefpunkt, dieses Jahr traute sich niemand mehr hin.

Das Schlimmste aber ist die Strecke selbst. Nicht nur das ständige Kürzen, sondern auch der Versuch jede noch so „gefährlich“ anmutende Stelle heraus zu schneiden, fordert ihren Tribut. So wurde ja seit Jahren der längere „Wurzeltrail“ schon gegen Abend herausgenommen, inzwischen wird der gesamte Hügel umfahren.

Auf der Brücke nach der Pyramide gab es immer einen Pfeiler auf den man aufpassen musste. Heute steht da ein Zaun und teilt die Brücke so auf, dass nur noch die Hälfte als Fahrtstrecke zur Verfügung steht. Super eng in der Kurve und super eng in der Durchfahrt.

Über die Treppe brauchen wir nicht reden und im Fazit möchte man fragen: Wieso zum Teufel ist das ein „Mountainbike-Rennen“, wenn man schon fast geneigt ist mit dem Gravelbike zu fahren?

Die Strecke ist über die letzten Jahre damit zu einer völlig witz- und spaßlosen Nummer geworden, für die man kaum Technik braucht und auf der die gewinnen, die fehlende Technik durch Kraft ersetzen.

Die Teilnehmer sind übrigens ein weiteres Problem: Die Anzahl der Unfälle die ich auf dieser eigentlich idiotensicheren Strecke erlebt habe, erschrecken mich. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass inzwischen jeder meint, er (oder sie) könne ein MTB-Rennen fahren. Dabei wird die eigentliche Anstrengung, nämlich die Dauer von 24 völlig ausgeblendet. In der Folge habe ich mehr als einen Zweiradzombie von der Stecke fallen sehen.

Die Kombinationen aus Material und Fahrfehlern die einem dort unterkommen, sind erschreckend. Natürlich kann man keinen Eignungstest fordern, aber ich fürchte das die immer weiter entschärfte Strecke dazu führt, dass immer mehr Leute hören „ach das schaffst du“ – und das auch glauben. Um dann ohne jede Fahrtechnik sich und andere zu gefährden.

Durch all das war der Frust in unserem Team dann natürlich auch gut hoch. Vor allem wenn man dann noch gegen reine Lizenz-Teams fährt. Was soll das, wenn Radhersteller ein Amateurrennen versauen, indem sie ein Profi-Team aufstellen? Ich fahre doch auch nicht die Tour de France oder den UCI Worldcup als Hobbyfahrer mit.

Insgesamt macht Duisburg den Eindruck, dass es für den Veranstalter ein blendendes Geschäft ist. Der Spaß und das Rennen selbst bleiben aber auf der Strecke und in den 24h hörte ich unzählige Leute die von „der guten alten Zeit“ schwärmten.

Als 8er-Team hatten wir viel Spaß, weil wir als Gruppe super miteinander auskamen. Aber wir hatten auch, siehe oben, Frust den wir verarbeiten mussten. Wenn z. B. die schnellste Runde unter 16 Minuten ist und der nächste Fahrer mit Stau plötzlich knapp 30 braucht. Damit muss man erst mal klar kommen, vor allem wenn man siehtr das Fahrer der anderen Teams vor dem Stau waren und damit total entspannt eine komplette Runde rausfahren konnten.

Machen könnte der Veranstalter einiges:

  • längere Strecke
  • weniger „Vorsichtsmaßnahmen“
  • weniger Teams (auf der Strecke)
  • bessere Logistig (Duschen!!!!) etc

Interesse wird er aber keines haben. Denn auch nächstes Jahr wird das Rennen wieder in kürzester Zeit ausverkauft sein.

Vielleicht ist es aber auch einfach an der Zeit, die 24 Stunden von Duisburg zu Grabe zu tragen und in guter Erinnerung zu halten.

Oder den dringend notwendigen Neuanfang zu wagen.

 

13 Gedanken zu „24 Stunden von Duisburg: Weiter ein totes Pferd reiten?“

  1. Perfekt zusammengefasst, wir haben im 4er-Team den gleichen Eindruck gewonnen :
    1. Strecke : hat mit MTB nichts mehr zu tun und ist für die über 500 Fahrer, die gleichzeitig auf der Strecke sind, zu kurz !
    2. Fahrer ohne jegliche Radbeherschung sorgen für Unfälle und Stau !
    3. Sanitäranlagen : Ich habe den Grohe Dusch-Truck vermisst ! Duschen daher Fehlanzeige : Waschen mit selbst mitgebrachtem Wasser !!!
    4. Pasta-Party : sparen wir uns sowiso 🙂

  2. Schön geschrieben. Wir waren letztes Jahr dabei und hatten eigentlich vor, 2017 nochmal an den Start zu gehen. Da Dein Bericht die Befürchtungen, dass sich das Rennen zum Schlechteren entwickelt aber bestätigt, überlegen wir uns das vielleicht nochmal.
    Der von Dir angedachte Eignungstest ist keine schlechte Idee. Vielleicht sollte man einfach die Teilnahme an mindestens einem MTB-Marathon nachweisen müssen. Dann wäre auch dokumentiert, dass man weiß, was ein von hinten gebrülltes „links“ bedeutet 😉
    Das gleiche Problem gibt es aber in der Straßenszene auch: ich war vor ein paar Jahren beim CircuitCycling auf dem Hockenheimring. Da sind wir nach drei Runden als Spitzengruppe mit gut 60km/h von hinten auf das Ende des Feldes aufgelaufen welches, und das darf nicht sein, mit 25km/h und MTBs unterwegs war. Gefährlich.

    Was man aber bei aller Kritik nicht vergessen darf: die Veranstaltung lebt primär von der Kulisse – und uns, den Fahrern 😉

  3. .Aber vergiss bitte nicht wo das Rennen stattfindet. In DUISBURG.Und da gelten seit dem tragischen Unglück bei der Loveparade ganz andere Sicherheitsvorschriften als anderswo, weil keiner mehr so richtig die Verantwortung übernehmen möchte. Man hat dem Versnstalter sehr hohe Sicherheitsvorschriften gemacht. Zudem haben sich die umliegenden Krankenhäuser schon über das Rennen beschwert.
    Es ist nun mal ein Jedermann Rennen und jedes Jahr kommt die gleiche Kritik. Wenn einem das Niveau der Strecke nicht reicht, dann fahrt doch mal die Christ Alp odrr Finale Ligure. Dann werdet ihr es vielleicht sein über die alle schimpfen. Wer sich in Duisburg anmeldet, der weiss seit 10 Jahren was ihn erwartet. Zu den Kosten kann ich nur sagen,
    50-80 Euro für einen Marathon sind doch inzwischen normal und nach 5-6 Stunden ist alles vorbei. Und in Duisburg wird man von Freitag bis Sonntag bespasst für 120 Euro. Da fällt mir zu deiner Kritik leider nichts mehr ein. Zu den Duschen kann ich nur sagen absolut super in unserem Sektor. Wasser warm immer was frei. Gruss Michael

    1. Einspruch: Die Strecke ließ schon nach, nachdem die Loveparade war und die Einengung hat zum Großteil erst weit danach gefunden. Man kann sich also nicht damit rausreden. Und über was sollen sich die Krankenhäuser beschwert haben?

      Und was gute Preis-/Leistungsverhältnisse angeht, verweise ich gerne auf die Zillertal-Bike-Challenge.

      Aber ich freue mich, dass es Dir und Euch gefallen hat 🙂

      1. Bin seit 2004 in Duisburg dabei. 6 mal Solo . Jeder weiss doch das die Strecke nicht so richtig prickelnd ist.
        Da ich zufällig aus Duisburg bin und mehr oder weniger der Verantwortliche war der den Kontakt hergestellt hat, damit die Teilnehmer Strom und Wasser bekommen, bin ich vielleicht ein wenig näher dran als der ein oder andere. Der Aufwand für die Versorgung mit Strom und Wasser ist immens. Zumal die Wasserletungen nach dem Rennen entsorgt werden müssen.
        Wir reden hier von 50.000+ Euro
        Da ich auch einen guten Draht zum Rettungsdienst in Duisburg habe kann ich das nur wiederholen das nur die Krankenhäuser in nächster Nähe angefahren werden und wenn binnen 2 Stunden 2 Teilnehmer so schwer stürzen das sie intensiv Medizinisch versorgt werden müssen, zustzlich zu Kieferbrüchen leichten Brüchen usw.dann kann ich die Kritik nachvollziehen. Es wird niemand gezwungen dort zu fshren aber wenn man sich mal im Vorfeld schlau macht, dann weiss man auf was man sich einlässt. Man kann es leider nicht allen Leuten recht machen. Gruss Micha

        1. 2 Verletzte in 2 Stunden? Alleine beim Marathon in Neheim habe ich mir die Notaufnahme mit ~10 Bikern geteilt. Wer allerdings in Duisburg so stürzt wie ich das dort vielfach erlebt habe, hat schlicht auf Rennen nix zu suchen.

          Ich will auch gar nicht den logistischen Aufwand in Frage stellen. Der ist nur über die Jahre ungefähr der Gleiche geblieben und anders als andere Veranstaltungen hat Duisburg auch noch lokale und überregeionale Sponsoren. Das erklärt aber nicht, warum für das gleiche Geld immer weniger Strecke und Qualität in der Versorgung geboten wird.

          Und wenn Du seit 2004 dabei bist weißt Du, was für ein Witz von Strecke heute noch übrig ist. Und wie verbaut die in großen Teilen ist.

    2. Die Verantwortung übernimmt doch der Fahrer selbst, indem er die Teilnahmebedingungen akzeptiert. Ich verstehe nicht, was hier das Problem ist. Als ein Fahrer, der sich zu einer MTB-Veranstaltung anmeldet, sollte ich das Risiko einschätzen können. Wenn ich mich einer solchen Strecke fahrtechnisch nicht gewachsen fühle, wäre es evtl. angebracht hier durch einen Technikkurs nachzusteuern, oder von einer Teilnahme abzusehen. Da die Leute aber heutzutage zunehmend unter Selbstüberschätzung leiden und das Risiko gerne ausgelagert wird, kommt es keinem in den Sinn, mal vor der eigenen Türe zu kehren. Das ist aber ein sehr gängiges Phänomen der heutigen Zeit. Die Menschheit degeneriert unter kräftiger Mithilfe der Politik zunehmend.

      1. Der Haftungsausschluss hat nichts mit den Sicherheitsvorschriften zu tun die der Veranstalter von der Stadt bekommt. Damit gibt der Veranstalter lediglich die Verantwortun an die Teilnehmer ab was auch in Ordnung ist. Sollte in Duisburg das passieren was in Dubai passiert ist, ist das Rennen Geschichte

        1. Genau, und wenn die Politik hier immer weiter Vorschriften macht, die irgendwann lächerlich werden, macht in diesem Land bald niemand mehr etwas. Wovor haben die eigentlich alle Angst? Das kann man doch nicht mit der Loveparade vergleichen. Es wird wirklich absurd, was hier mittlerweile alles reglementiert und mit Vorschriften kaputtreguliert wird. Wer sich auf das Risiko einlässt, mit einem Fahrrad durch den LPN zu fahren geht ein Risiko ein, das steht doch außer Frage. Und wer das tut, macht dies auf eigene Verantwortung. Warum lässt man die Leute nicht selbst entscheiden, ob sie dieses Risiko eingehen möchten? Den Reinhold Messner hat man auch nicht davon abgehalten, auf den Mount Everest zu klettern, oder die Arktis zu durchqueren und der wusste ganz genau, worauf er sich da eingelassen hat.

  4. Ich war in den ersten Jahren dabei. Heute ist die Strecke mehr oder weniger eine Lachnummer mit viel zu vielen Teilnehmern. Der Spass ist sicherlich das Eine, der sportliche (hier technische) Mindestanspruch aber das Andere. Aber das passt in die heutige Zeit: immer mehr Masse, gepaart mit Abzocke und mässigem Service

  5. War dieses Jahr auch solo unterwegs und sehe die Sache ein wenig differenzierter. Bei einem 24h-Event hält sich mein technischer Anspruch von Haus aus in Grenzen. Auch z.B. im Olympiapark in München ist die Strecke nicht wirklich der Technik-Hammer. Aber meiner Meinung nach muss man das auch aus zwei Gründen irgendwo verstehen:
    1. Auch ein trainierter Fahrer wird -gerade bei den Solisten- nach 20-22 Stunden nicht wirklich traurig sein, dass er den absoluten Technikanspruch nicht mehr vor sich hat.
    2. Wenn ich mir so eine Stelle wie den Wurzeltrail anschaue, muss man da einfach irgendwann „Stop“ sagen. Nicht weil das technisch zu schwer wird, aber weil ich vom LaPaNo auch im nächsten Jahr noch die Genehmigung bekommen will. 500 Teams die 24h lang im Schnitt (mal easy angesetzt) jeweils 50 Runden fahren bedeuten 25000 (!!!) Passagen von einem Streckenabschnitt. Dementsprechend schaut es danach aus. Das konnte man selbst auf dem befestigten Weg auf der Abfahrt vom Monte-Schlakko (Anbremsen der Kehre) prima beobachten.

    Ich komme aus dem bayrischen Wald und wenn ich technischen Anspruch suche, dann fahre ich keine 24-Veranstaltungen sondern suche mir hier ein CC-Rennen, wo ich dann über 1-2 Stunden das richtig volle Programm bekomme. Und der da befahrene Trail hat dann auch die Chance auf ne Regeneration bis zum nächsten Rennen, da er nicht völlig durch ist. Gerad wir Mountainbiker sollten auf sowas vielleicht auch ein Auge haben, da wir da ja eh oft von vielen Seiten in der Kritik stehen. 😉

    Was die Staus angeht, so gab es da ja nur die Strecke vor der Treppe. Die entstehen aber dadurch, dass die Leute, die dort den Chicken-Way nehmen wollen, den Verkehr aufhalten, weil sie das erste Stück der Rampe schieben müssen. Würde die Zimmerei, die da die Treppe beplankt hat zusätzlich noch ne Bautreppe daneben zimmern könnte, dann wäre der Stau da kein Thema mehr. Klar kann man da über die vermeintlichen Anfänger schimpfen, aber haben wir nicht alle mal angefangen ? Ich persönlich hab das easy genommen, weil zum Einen alle anderen im gleichen Stau gestanden haben (der im Übrigen nie mehr als 4 Minuten gekostet hat) und ich da als Solist eh oft genug vorbei komme. Die, die dort am meisten gemeckert haben, waren die Kollegen 4er- und 8er-Piloten, die gerad mit ihren Kumpels den Kasten Bier in der Teamwertung ausgematcht haben. Das waren aber auch die, die sich beim Überholen zum Teil am beschissensten angestellt haben. Sorry Jungs, kein Mitleid. Vorallem hält sich mein Verständnis für die Meckerei am Meisten in Grenzen, als dort der Stau nach dem Unfall war. Also ganz ehrlich, wenn da unten jemand liegt und vom Notarzt versorgt wird, dann gibt’s doch wohl Wichtigeres als ne Rundenzeit.
    Generell fand ich die Unfallrate da übrigens nicht wirklich hoch. In den kompletten 24 h habe ich nur zwei gravierende Vorfälle mitbekommen, wo ich vorbeigekommen bin, wenn die Leute versorgt wurden.

    Fazit: Technischen Anspruch hab ich da wirklich nicht erwartet, klar, über die Staus kann man natürlich mal überlegen, welche Möglichkeiten es dagegen gibt, aber
    generell kann man natürlich auch an jeder Geschichte was zum Meckern finden.

    Sportliche Grüße und trotzdem hoffentlich auf ein nächstes Mal.

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