Ruhr Around Challenge – 200km ohne Training? Kann man machen. Ist dann halt speziell.

Ich hatte mal mit der Idee geliebäugelt, die „Ruhr 2 Northsea Challenge“ zu fahren – und die Idee dann irgendwie wieder verworfen. U. a. weil ich schon seit gefühlt 100 Jahren nicht mehr so lange auf dem Bike saß.

Am Freitag erreichte mich dann die Nachricht, dass ein Kollege aus dem ERG leider nicht bei der Vorbereitungstour „Around Ruhr Challenge“ starten kann. 200km. Und da ich noch nie zu den klügsten gehört habe, habe ich das Ticket übernommen.

Und so trafen sich dann am Sonntag morgen 80 Fahrer und Fahrerinnen aller möglichen Altersklassen mit Rädern aller Arten in Duisburg am MSV-Stadion und starteten um 7 Uhr den Rundkurs.

(Auf Strava)

Schnell war klar, dass es defintiv eine Runde ist wie ausgeschrieben werden würde: Durschnitt 18km/h und 2h Pause waren die Richtschnurr. Dazu hatte ich allerdings keinen Bock und das aus einem ganz einfachen Grund: Ab Nachmittag / frühem Abend sollte es ordentlich gießen.

Also nach vorne, wo wir dann relativ schnell eine Führungsruppe von 2 Rennrädern, einem Triathleten und einem Crosser waren. Und uns schon nach wenigen KM sehr weit abgesetzt hatten.

Am Baldeneysee hätte der erste Verpflegungspunkt sein sollen. Als wir ankamen, war da nur leider niemand. Und um die Spannung vorweg zu nehmen: Mit Ausnahme einer „Notstation“ in Dortmund war keine einzige Verpflegungsstation besetzt, als wir durch kamen. Man hatte einfach nicht damit gerechnet, dass es Leute gibt die ohne die geplanten Mahlzeigen (Frühstück, Mittag und Kaffee & Kuchen) durchfahren würden!

Foto (c) TPI
Foto (c) TPI

Die ersten 60km liefen auch völlig ereignislos.

Wir konnten ein gutes Durchschnittstempo halten und kamen relativ schnell am Kemmnader See an. Hier zerfiel unsere Gruppe dann leider spontan, weil 3 aus ihr zum Frühstück anhielten – das offensichtlich gerade erst aufgebaut werden sollte. Tobias, der Triathlet und ich sind dann zu zweit weiter gefahren.

IMG_7694Um uns kurz darauf am falschen Ort zu wähnen.

Denn plötzlich standen wir vor einer Fähre. Der GPS-Track war sich einig: Dort müssen wir rüber. Leider stand das nicht in der Ausschreibung und da die Fähre nur „Bezahlt was ihr wollt“ als Motto habt, man aber kein Geldwechseln kann und wir beide nur Scheine hatten, sind wir „schwarz gefahren“. Mit Genehmigung des Fährmanns. Den ich übrigens gefragt habe, ob schon andere mit Startnummern vorbei gekommen wären. Um mich dann von Tobias belehren zu lassen, dass wir ja die ersten wären 😉

IMG_7695Landschaftlich waren wir natürlich schwer angetan.

Von den „Radwegen“ leider nicht, denn nach der Fähre fing es mit Schotterpisten an.  In der Beschreibung auf der Website hieß es:

 Gefahren wird beinahe ausschließlich auf Radwegen oder kleinen Straßen.

Leider vergessen wurde der Hinweis, dass die Strecke für Rennräder eigentlich gar nicht geht. Crosser, MTB, Tourenrad, alles okay. Aber für Rennräder…. übelst. Insbesondere im zweiten Teil, wenn es über einige (von diversen CTF(!) bekannten) Kanal-„Rad“-Wege ging. Um es vorweg zu nehmen: Nicht nur dürfen jetzt die Laufräder zentriert werden, es hat uns auch ordentlich Zeit gekostet 🙁

IMG_7696Das es schließlich sogar durch den Wald ging, ist da fast keine Erwähnung mehr wert. Vor allem nicht, wenn der Depp mit dem GPS (ich) nicht aufpasst und falsch abbiegt. Die grobe Richtung stimmte zwar, aber Treppen auf dem Jakobsweg waren nun doch nicht das, was wir erwartet hatten. Den Triathleten freut es vermutlich mal laufen zu können – den faulen Sack nicht.

IMG_7699Der Wald war aber nicht die einzige Überraschung.

Eine weitere war, dass wir durch(!) ein Volksfest mussten. Wer da bei der Genehmigung der Strecke gepennt hat, ist ja egal – aber für die hinter uns dürfte das auch eine unangenehme Überraschung gewesen sein.

IMG-20160522-WA0038_resizedNachdem an dem Verpflegungspunkt „Mittagspause“ niemand war, sind wir auch dort einfach weiter. Gott sei Dank gab es noch eine Trinkhalle für Apfeschorle 🙂

An dem letzten „Verpflegungspunkt“ sollte es Kaffee und Kuchen geben und wir haben sogar jemanden gefunden, der aufschließen konnte. Kuchen haben wir nicht gegessen, aber wir konnten noch zwei Bananen erbetteln, die eine wichtige Alternative zu den Gels und Riegeln waren. So „gestärkt“ ging es dann in den „Endspurt“.

IMG_7704Nach einer Fahrzeit von Netto 7 Stunden und 50 Minuten waren wir dann am Seehaus an der Wedau. Ich sag mal: Mit nur Asphalt wären wir mindestens 30 Minuten schneller gewesen.

Dummerweise war man auch am Seehaus nicht auf uns vorbereitet. Das Buffet war (logisch) noch nicht fertig und man half uns zumindest mit Pizza und alkoholfreiem Bier aus dem tiefsten Loch heraus.

Tobias ist dann gefahren und ich habe noch auf ein paar eintreffende Mitfahrer gewartet. „Leider“ hat Julia mich jedoch um 18 Uhr abgeholt. In der Zeit von irgendwie 16 bis 16:30 (weiss nicht genau wann wir da waren) und 18 Uhr fing es dann an so richtig zu schiffen – nur Rafahrer sah ich keinen mehr 🙁

Bin dann ins Auto gekrabbelt und nach Hause gefahren, mit der Hoffnung das alle anderen Fahrer/-innen auch gut ankommen. Auf Strava konnte man allerdings den einen oder anderen Abbruch sehen.

Für das „Chaos“ bei der Organisation möchte in an dieser Stelle dem Veranstalter keinen Vorwurf machen. Das wir so geheizt sind, war ja unser eigener Wunsch und das wir damit den Zeitplan – und vor allem den Ressourceneinsatz sprengen – kann man ihm nicht anlasten.

Beschwert habe ich mich aber über die Formulierung zur Strecke:

Die ziemlich genau 200 Kilometer lange Strecke ist fast vollständig asphaltiert und damit für quasi jedes Rad geeignet.

Denn die war defintiv nicht für Rennräder geeignet. Ich habe angeregt, dass zu ändern. Man hat mir aber versichert, dass die 300km-Tour nach ähnlicher Kritik im letzten Jahr inzwischen 100% Rennradtauglich ist.

An der Stelle muss ich übrigens noch mal kurz ein Loblied auf „Bergetappe“ in Essen singen:

Ich lasse ja meine Bikes dort fitten und kann nach gestern sagen, dass auch 8h Fahrt nicht zu Schwielen oder gar Schmerzen führen. Keine wunde Stelle, kein schmerzender Rücken oder einschlafende Hände. Insbesondere vor dem Hintergrund der Schlaglochpisten gestern muss ich sagen, dass jeder € den man in ein perfektes Sitzen investiert, ein gut investierter Euro ist!

Und zum Schluss noch mal vielen Dank an Tobias für die guten Tipps und die Motivation auf der langen Strecke! Alleine wäre mein Schnitt deutlich niedriger gewesen und zu zweit über den RS1 zu düsen ist schon ziemlich genial 🙂

 

3 Gedanken zu „Ruhr Around Challenge – 200km ohne Training? Kann man machen. Ist dann halt speziell.“

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