Race am Rhein: Pleiten, Pech und Erfolge

Manchmal hat man ja so Tage, wo man am Ende mit einem Glas Whisky in der Hand in seinem Ohrensessel liegt und denkt:

Wie irre war das denn jetzt?

Heute war so ein Tag. Denn heute war Race am Rhein-Tag.

Zum RaR hatte ich mich schon ziemlich früh angemeldet. Unmittelbar nachdem bekannt wurde, dass ein Teil der zweiten Etappe Tour de France 2017 als Jedermann-Rennen “getestet” werden soll und da die in Düsseldorf startet… quasi ein Heimrennen.

Am Samstag konnte bereits die Starterpakete abgeholt werden und ich fand das ziemlich klasse organisiert. Mein erster Eindruck war nämlich: Uff, ist das voll hier. Aber offensichtlich hilft gute Organisation: Tisch 1 Startunterlagen abholen. Tisch 2 Starterpaket abholen. Tisch 3 Transponder testen. Fertig. Trotz 20 Leuten vor mir hat das keine Viertelstunde gedauert.

Sonntag Morgen dann Raceday. Für mich sollte Start um 11.45 sein und deswegen habe ich den Zug um 10:14 genommen. Der sollte um 10:56 in Düsseldorf sein. Der Start war Fußläufig 10 Minuten vom Bahnhof, also mit einigen Umwegen perfekt zum Warmfahren zwischen Hauptbahnhof und Start. Und selbst 30 Minuten Verspätung wären maximal drin gewesen.

Hätte, könnte, wäre, würde. Denn ich, der ich so gerne den Leuten erkläre, warum ich viel lieber mit der Bahn zur Arbeit pendel als mit dem Auto musste wieder lernen: Wenn Du überlegst um 9:14 zu fahren oderr 10:14 und Du denkst 9:14 ist zu früh… mach es trotzdem.

Denn unmittelbar nach dem Einsteigen fiel auf, dass unter bestimmten Bedinungen nicht nur die Türseite zum Bahnhof geöffnet werden kann, sondern auch die andere. Den Triebwagenführer störte das soweit nicht, die Zugbegleiter schienen es im Griff zu haben.

Bis in Duisburg der Triebwagenführer wechselte. Und ich den Neuen sagen hörte “so fahren wir nicht!” Es war 10:42.

Ich habe dann explizit gefragt: Fahren Sie oder sollen wir umsteigen? Nein, wir fahren, das dauert nur ein paar Minuten. Und nach ein paar Minuten kam die Durchsage: Es dauert ungefähr 10 Minuten.

Um 10:52 kam auf dem Nachbargleis ein Zug nach Düsseldorf. Und fuhr um 10:53 weiter. Und um 10:55 hieß es bei uns: Nichts geht mehr, der Zug endet hier.

Jetzt war ich nicht der Einzige im Zug, der zum RaR wollte. Aber offensichtlich der Einzige, der um 11:45 starten wollte. Denn der nächste Zug kam erst um 11:22 und es war klar: selbst bei planmäßiger Ankunft um 11:37 wird das knapp.

Dummerweise war aber der Zug um 11:22 natürlich super voll – er musste ja auch alle Leute aus unserem Zug aufnehmen. Was bedeutete, dass wir am Zwischenhalt Airport relativ lange gebraucht haben: Wir Zusteiger mussten raus, die Aussteiger stiegen aus, wir wieder ein.

Das Rennen war abgehakt.

Ich musste aber ja eh nach D’dorf um den Transponder zurück zu geben. Also dachte ich: Feuerst Du eben die anderen an. Bin dann auch vom Bahnhof aus zum Start gerollt, wo alles bereit stand und es kurz vor dem Startschuss war. Die Blöcke waren natürlich geschlossen, ich hätte irgendwo vorne in B gestanden.

Wie ich da so deprimiert an der Startaufstellung langrolle, neben mir auf ein Mal betriebsame Hektik: Eine Ordnerin sprintet auf mich zu, schreit mich an: “Hier rein! Schnell!” und macht den Zaun auf. Keine 10 Sekunden später: Startschuss.

Ich hatte meine Kopfhörer noch drin, die Handschuhe nicht an und nicht mal meine Windjacke richtig an, da war ich schon im Rennen. Oder warm fahren, ohne den geplanten Riegel ohne alles, war ich mitten drin. Völlig unerwartet.

Die kurze Strecke bis zum Tunnel konnte ich nutzen um mich etwas frei zu fahren und nach dem Tunnel war die Taktik: Vollgas und überleben. Mir war klar, dass die 46km nicht viel mehr als eine Stunde dauern dürften. Also musste ich nicht sparen, sondern konnte einfach Gas geben.

Ursprünglich war meine Taktik, die ersten 8km langsamer zu fahren und dann in den ersten Anstieg herein Gas zu geben, auch wegen der Bergwertung. Das war natürlich jetzt obsolet.

Tatsächlich habe ich die langsamere Bergfahrt dann genutzt, meine Windjacke zu verstauen, die Kopfhörer los zu werden, ein Gel zu nehmen.

Elevation Profile
race_am_rhein_

Nach dem ersten “Berg” hieß es dann: Gruppenspringen.

Ich bin immer so lange in einer Gruppe geblieben, bis eine überholte die schneller war. So lange bis ich in einer Gruppe war, die so fuhr wie ich mir das vorstellte. So sind wir dann in den zweiten Berg gekommen und gefühlt bin ich sehr gut dabei gewesen.

Nach dem zweiten “Berg” ging es ja mehr oder weniger bergab und unsere Gruppe hat ordentlich Stoff gegeben. Der Haken war, dass von den ganzen Fahren am Ende nur noch 5 übrig waren. Dann 3. Dann 2.  Wir trafen noch ein paar Leute und wurden wieder mehr, dann weniger.

Kurz vorm Ziel war ich wieder vorne und Blick nach Hinten: Mein Mitfahrer, der mich über weite Strecken in seinem Schatten hat fahren lassen, war weg!

Er konnte nicht mehr. Also habe ich rollen lassen, weil ich nicht so arschig sein wollte, vor ihm über die Ziellinie zu rollen. Schließlich sind wir Hand in Hand durch den Zielbogen und haben die Finisher-Medallie umgehängt bekommen:

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Absolut Irre. Und im Ergebnis war ich mehr als zufrieden:

  • Platz 147 aus unglaublichen 1409 Männern und
  • Platz 40 von 314 in meiner Altersgruppe

So gut war ich schon lange nicht mehr in einem Rennen. Was ich aber in großen Teilen meinen Mitfahrern verdanke.

In der Team-Wertung landete Nutrixxion auf Platz 4:

  • 1023 Haseleu, Christian 01:06:50.914 34
  • 1122 Meiners, Stefan 01:13:25.638 154
  • 2037 Oehl, Holger 01:15:07.692 263
  • 1125 Hamburger, Stefan 01:15:09.637 266

Insgesamt bin ich ziemlich geflasht gewesen.

Übrigens auch vom Rennen an sich: Nicht nur war die Strecke sehr gut gewählt und präpariert. Auch die Anzahl an Ordnern und helfenden Händen war beeindrucken.

Der Nachziel-Bereich dann aber übertraf eigentlich alles:

Erst Getränke von Dextro. Dann Obst, Laugenstangen, Kuchen. Dann alkoholfreies Bier und Red Bull. Dann der Grohe-Duschtruck, in den wir uns ja schon damals in Duisburg verliebt haben….

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Dann die Gepäckausgabe, die Transponder-Rückgabe. Alles flüssig, nirgendwo schlangen und alles so abgesperrt, dass wirklich nur Fahrer/-innen sich dort aufhalten konnten. Irre, was Düsseldorf für 50€ Stargebühr geboten hat. Bzw verglichen damit peinlich was andere ähnlich teure Veranstaltungen nur bieten.

Zusammenfassend: Ich bin echt glücklich über meine Zeit. Warm gefahren und weniger mit Metzchen hätte ich vielleicht sogar noch 30 Sekunden  bis 1 Minute raus holen können. Alles in allem aber ein super Rennen. Von der Anmeldung am Samstag bis zum Zug nach Hause am Sonntag Nachmittag.

Sieht man mal von der “kleinen” Katastrophe morgens ab. Denn da war ich mir echt sicher, dass das Rennen gelaufen ist. Gut, dass ich mich geirrt habe.

P.S. Wie Arschgeil war denn bitte die Tunneldurchfahrt vor dem Ziel? Das brauche ich jetzt öfter, bitte!

Die Selbstverletzungswelle reißt nicht ab…

Sind Radfahrer Autoaggressiv?

Man könnte fast den Eindruck haben. Denn nach Kleve gibt es einen neuen Fall einer Radfahrerin, die sich unter Zuhilfenahme eines LKW selbstverletzt hat.

Aus einer PM der Polizei Essen:
E-Stadtkern: Eine Radlerin verletzte sich Mittwochabend (14. September) bei einem Unfall in der Innenstadt schwer. Gegen 21:45 Uhr war ein Lkw-Fahrer auf der Hollestraße in Richtung Herkulesstraße unterwegs. An der Kreuzung Hollestraße/Steeler Straße wollte der 33-Jährige nach rechts in die Steeler Straße abbiegen. Auf dem Fußgängerüberweg der Rechtsabbiegerspur stieß der Herner mit einer radelnden 34-Jährigen zusammen. Die Essenerin zog sich bei dem Zusammenstoß schwere Verletzungen zu.

Liebe Polizei Essen:

Die Radfahrerin wurde verletzt als der LKW sie anfuhr. Dabei wurden ihr schwere Verletzungen zugefügt. Die von Euch gewählte Formulierung ist, wie das Beispiel aus Kleve, extrem PKW/LKW-freundlich, weil es den Eindruck macht, als sie die Radfahrerin doch irgendwie selbst schuld.

Tatsächlich läßt Eure Hergangsschilderung aber einen klassischen Abbiegefehler des LKW erahnen. Und schon von daher sollte bitte nicht der Eindruck erweckt werden, die Radfahrerin habe sich irgendwie selbst verletzt. Sie wurde verletzt. Simple as that.

Ob schuldhaft (z. B. durch Unachtsamkeit / Fahrlässigkeit) oder unschuldig (Abbiegefehler des LKW) spielt dabei nicht mal eine Rolle.

Wie man sich als Radfahrer halt selbst verletzt…

Manchmal fahre ich vom Büro aus durch den Duisburger Innenhafen und dort gibt es eine Kreuzung, die vorwiegend von LKW genutzt wird. Baulich eine Unfallstelle mit Ansage und gestern stand auf ein Mal ein Ghostbike dort:

14225395_178234772606925_6807045814049430128_nFalls Euch das nichts sagt: Die werden an Stellen aufgestellt, an denen Radfahrer ums Leben gekommen sind – als Mahnung und Warnung.

Sehr schön übrigens auf dem Bild auch zu erkennen ist der hervorragende Zustand der Radwege in Duisburg.

Worum es mir heute morgen aber geht, ist im Kontext des Ghostbikes auf meinem Heimweg folgende Pressemitteilung der Polizei aus Kleve:

Uedem (ots) – Am Donnerstag (1. September 2016) gegen 15.30 Uhr überquerte ein 15-jähriger Radfahrer aus Uedem von der Kervenheimer Straße aus Richtung Innenstadt die Straße Boxteler Bahn. Ein 56-jähriger Mann aus Uedem fuhr in einem LKW Mercedes auf der vorfahrtsberechtigten Straße Boxteler Bahn in Richtung Goch. Der LKW erfasste den Radfahrer im Kreuzungsbereich. Der 15-jährige verletzte sich bei dem Zusammenstoß schwer. Es besteht Lebensgefahr. Der Jugendliche wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen. Der LKW Fahrer blieb unverletzt. Die Staatsanwaltschaft Kleve beauftragte einen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens. Die Unfallstelle ist zur Zeit noch gesperrt. Polizeibeamte leiten den Verkehr ab.

Zwei Dinge springen mich in dem Text an:

  1. Obwohl ein Sachverständiger beauftragt ist, weist man schon mal vorsichtshalber darauf hin, dass der LKW auf einer vorfahrtsberechtigten Straße gewesen sei.  Allerdings spricht man auch von einem Kreuzungsbereich. Auf dem Foto oben sind LKW die von links kommend in die vor mir liegende Stichstraße abbiegen übrigens auch auf einer vorfahrtsberechtigten Straße. Das hat genau gar nichts mit dem Unfall zu tun, impliziert aber schon mal “der wird schon irgendwie selbst schuld gewesen sein”.
  2. Obwohl hier ein Jugendlicher von einem LKW über- bzw. angefahren wurde, schreibt die Polizei, er hätte sich selbst verletzt. So als würde man sich einen rostigen Nagel ins Auge rammen. Natürlich darf auch die Erwähnung nicht fehlen, dass der Fahrzeugführer des LKW unverletzt geblieben ist. Nicht vorzustellen, dem wäre bei der Selbstverletzung des Jugendlichen auch was passiert.

Ich bin sicher, die Verfasserin oder der Verfasser der Pressemitteilung hat sich darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Das ist keine böse Absicht, dass solche Formulierungen passieren. Es ist Ausdruck unserer extrem auf PKW geprägten Welt, in der Fußgänger und Radfahrer unter allen Umständen auf eben die Rücksicht zu nehmen haben.

Im Falle des obigen Fotos hätte dann gestanden:

“Verletzte sich ein Mensch tödlich, als er im Kreuzungsbereich von einem auf der vorfahrtsberechtigten Straße verkehrenden Fahrzeug erfasst wurde. Der Fahrer des Kraftfahrzeugs blieb unverletzt.”

Es wird Herbst….

Heute morgen auf dem Weg zur Halde ist mir aufgefallen, dass viele Bäume schon bunte Farben tragen.

Aber die Abendsonne hat es dann ganz deutlich gemacht: Der goldene Herbst ist angebrochen.

IMG_8524webJetzt ist sie da, die kurze Zeit zwischen dem Sommer der viel zu kurz war und dem Winter der viel zu lang sein wird. Zumindest für uns Radfahrer…

Anzeige ist raus

Anzeige ist raus” ist ein geflügelter Begriff im Internet für Sachverhalte, die so neben der Spur sind, dass man ernsthaft erwägt, die Polizei einzuschalten.

Soweit war es bei uns am Wochenende nicht. Aber das Ordnungsamt durfte es dann doch sein.

Da war zunächst der Mini-Treff am Rotbachwanderweg / Franzosenstraße. Ich meine, als Naturfreund mache ich auch gerne mal ausgedehnte Autotouren ins Grüne. Dabei aber mit mehreren Autos den Wanderweg zuparken ist schon nicht schlecht.

mini3Sich dann mit zahlreichen anderen Autos (oberes Bild im Hintergrund) und Leuten (unteres Bild) so hinstellen, dass man nun gar nicht mehr durchkommt – und nur doof gucken wenn jemand vorbei möchte, das ist in meinem Empfinden schon besonders asozial.

mini

Aber es gibt ja keine Unverschämtheit, die man nicht noch Toppen könnte. So geschehen auf der Ziegelstraße. Dort sah ein BMW-Fahrer den leeren Parkstreifen, freute sich und dachte sich:

bmw“Lassen wir den Parkraum doch anderen, für mich ist der Radweg!”

Das ist schon nicht mehr nur gedankenlos. Das ist auch nicht mehr nur dreist. Das ist eine offen ausgelebte Verachtung anderen Menschen gegenüber – nicht nur Radfahrern, da am Rotbach auch Wanderer Mühe hatten durch zu kommen.

Und in solchen Fällen schreibe ich dann gerne schon mal nett das Ordnungsamt an. Und weise auch gerne, wie am Rotbach, auf die Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer hin. Das macht das Knöllchen teurer.

Verkehr funktioniert nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme und gegenseitigem Respekt. Die hier betroffenen Verkehrsteilnehmer zeigen sehr deutlich, was sie davon halten.

 

Nichts.

 

 

Was ist denn in den Testerbergen los?

Im Juli 2014 gab es die Überschrift hier schon mal. Damals waren zahlreiche Wege in den Testerberge (absichtlich?) blockiert.

Heute Abend sind wir eine gemütliche Runde durch die Testerberge pedaliert und waren ziemlich entsetzt. In dem Bereich südlich des Baumschulenweg ist die Hölle los.03

Der Hauptweg ist blockiert von “zufällig” quer über den Weg gestürzten Bäumen. Radfahren oder Spazieren gehen würde da aber eh niemand, denn der Wald ist völlig verwüstet – von schwerem Gerät.

01Auf einer sehr großen Fläche sind die Wege völlig zerstört, es wurde massiv und offensichtlich um jeden Preis Holz aus dem Wald gezogen…

02Als Naherholungsgebiet jedenfalls taugt die Gegend absolut nicht mehr. Ich weiß auch nicht ob der RSC Dinslaken das schon mitbekommen hat, weil der absolut überwiegende Teil der Wege über die die März-CTF führen ist auch hin.

Wenn ich sowas sehe, wird mir richtig übel. Und angeblich sind doch immer wir Mountainbiker schuld daran, dass die Wege kaputt sind. Ja ne, ist klar. Sieht man ja auf den Fotos sehr deutlich.

Marathon Grafschaft – eine Lektion in Demut

Ich bin dieses Jahr sehr viel Rennrad und wenig MTB gefahren. Deswegen habe ich mir auch nur für ganz wenig Marathons angemeldet und einer davon war vergangene Woche der in Grafschaft.

In Grafschaft fahre ich, seit ich MTB fahre. Normaler Weise die Mitteldistanz, weil ich dann einen ungefähren Benchmark meiner eigenen Entwicklung habe.

Für dieses Jahr habe ich mich zur Kurzstrecke angemeldet und dachte: hmm… 880 Höhenmeter ist eine Menge, aber es sind nur 33km. Sollte also kein großes Problem sein.

Elevation Profile
Marathon_Grafschaft_Kurzstrecke

Ja Scheisse.

Direkt auf der ersten Steigung hatte ich Seitenstechen, dass mich die ersten 5km oder so begleitet hat. Dann war meine Flasche weg und ich habe ungefähr bis KM 10 gebraucht, um “meinen” Tritt zu finden.

Das Garmin piepste regelmäßig “Puls zu hoch”, aber das bin ich ja im Rennen gewohnt. Trotzdem war ich total platt und bin bergauf von vorne nach hinten einfach durchgereicht worden. So langsam war ich schon lange nicht mehr.

Im Ziel war ich mir sicher, dass ich zu den letzten gehöre. Zu meiner großen Überraschung war ich aber Platz 29 von  52 meiner Altersklasse. Nicht toll, aber auch nicht schlecht.

Wieder zu Hause habe ich versucht, das zu verstehen. Klar ist: Die Masse die mich am Berg überholt hat, habe ich bergab nicht wieder eingesammelt. Obwohl ich auf den technisch leichten Abfahrten viele überholen konnte.

Ein Blick auf die Pulsauswertung offenbart aber grauenvolles:

GrafschaftDemnach bin ich die gesamten 33km am Anschlag gefahren. Und zwar volle Pulle. Und das ohne jeden Grund:

Normaler Weise würde ich sagen: Ich bin krank. Irgendein Infekt oder so, das kann sonst nicht sein. Aber das kann ich ausschließen, denn am Tag nach dem Marathon bin ich eine RTF mit viel Gegenwind gefahren:

BocholtAlles total normal.

Was also könnte die Ursache für mein Versagen in Grafschaft sein? Körperlich geht es mir wirklich gut und konditionell bin ich sauber aufgestellt. Mein Pfunde zu viel habe ich immer noch, aber die waren ja schon immer da.

Strava sagt mir, dass ich sogar ein paar PR aufgestellt habe. Einige davon belegen auch eine wirklich nachhaltige Entwicklung.

UnbenanntWas also ist der Grund für mein (gefühltes) Versagen?

Das ich mich die ganze Zeit über zum Kotzen gefühlt habe, kann ich mit der Puls-Höhe erklären. Aber die Ursache dafür? Keine Ahnung.

Ich bin ratlos. Vielleicht muss ich mal mit meiner Trainerin sprechen…

Grenzfahrer vs. Rose – 2 RTF die sich (k)ein bisschen ähneln

In den letzten Tagen bin ich zwei RTF gefahren, die sich in vielem ähneln und doch ganz unterschiedlich waren.

Da war zuerst die RTF der “Grenzfahrer“, die uns (grob) von Willich nach Holland und zurück führte:

Elevation Profile
Grenzfahrer_RTF_

Wir sind die 110km-Runde gefahren und waren sehr angetan. Die Startgebühr war 6 Euro für “Trimmdich-Fahrer” ohne Wertungskarte. Dafür gab es dann..

  • eine sehr gut ausgewählte Strecke,
  • die sehr gut beschildert war und
  • alle 20km einen Verpflegungspunkt.

Die Verpflegungspunkte verdienen eine besondere Aufmerksamkeit: denn neben Nutellabroten, Waffeln und Bananen gab es für die Fahrer so viele Riegel und Gele von Xenofit, wie man tragen konnte. Witziger Weise hat das niemand wirklich in übertriebenem Maß ausgenutzt.

Die Strecke war insgesamt sehr schnell, weil vor allem große Straßen oder schnelle (niederländische) Radwege zu fahren waren.

Dann sind wir die RTF “Rose Bikes – RC77” gefahren, die uns von Bocholt nach Holland und zurück führte:

Elevation Profile
RTF_Bocholt_70km_mit_viel_Wind_

Weil es sehr windig war, sind wir allerdings von der 110km-Runde auf die 70er ausgewichen. Der Startpreis betrug ebenfalls 6 Euro und dafür gab es dann:

  • eine sehr gut ausgewählte Strecke,
  • die sehr gut beschildert war und
  • …. äh einen Haken.

Denn erst nach 35km sind wir an den ersten Verpflegungspunkt gekommen und dort lagen nur ein paar, größtenteils deutlich grüne Bananen. Sonst nix. Kurz bevor wir fahren wollten, tauchten plötzlich noch Aldi-Müsliriegel auf.  Besser als nix, aber als Julia 3 davon holte (für sie, unseren Mitfahrer und mich), gab es noch einen dummen Spruch “da kommt ja die richtige”, als sie die genommen hat.

Un-fucking-fassbar.

Nach der Rückkehr gab es dann ein Funktions-T-Shirt von Rose und RC77, dass für die “ersten 1000 Fahrer” vorgesehen war – ich glaube nicht, dass so viele da waren.

Die Shirts sind toll. Und auch die Strecke war gut: Nicht so schnell wie die Grenzfahrer-RTF, aber durch viele Kurven auf der Strecke war man immer vergleichsweise kurz dem doch starken Wind von vorne ausgesetzt.

Beide teilten sich, dass man hier eine sehr schöne grenzüberschreitende, flache Strecke fuhr. Beide Strecken waren wirklich gut ausgewählt und präpariert. Während die Grenzfahrer aber mehr auf Speed setzten, sprach die Rose-RTF eher die Genießer an.

In beiden Fällen bekam man für sein Geld auch wirklich viel geboten. Allerdings rettet die Rose-RTF hier das Shirt. Denn nach dem “Verpflegungsstop” waren wir schon  reichlich angefressen.

Bei beiden gab es übrigens hinterher auch sehr leckere Würstchen, Getränke und viel Kuchen zu sehr fairen Preisen.

 

Fitness-Tracker: Von Polar zu Garmin

Zu Weihnachten 2013 bekam ich von der Herzdame einen Polar Loop Fittness-Tracker geschenkt. Ein Tool, dass seit dem selten nicht an meinem Arm war.

Was mir besonders gefallen hat, waren…

  • das schlichte, aber ansprechende Design
  • die lange Akkulaufzeit
  • das nette rote Display

Natürlich gab es auch Dinge, die mir nicht gefallen haben:

  • properitärer Ladestecker
  • properitärer Akku, fest verbaut
  • kein Vibrationsalarm

Insgesamt aber war das Gerät genau wie ich es mag: Easy to use und ein nettes Spielzeug. Leider war die App, die Polar damit vertreibt, alles andere als brauchbar: Dort habe ich nur ganz selten rein geschaut, weil es einfach nix brachte. Weder gab es sinnvolle Informationen, noch die Möglichkeit Aktivitäten nachträglich zu ändern.

Im Laufe der Zeit wurde die Connectivität (zu Apple Health, MFP, Garmin Connect) zwar besser und so wurden zum Beispiel Rad-Touren aus Garmin richtig in der Flow-App angezeigt. Da aber alle Sportarten in “virtuelle Schritte” umgewandelt werden, hatte man halt zwischendurch schon mal ein paar Hunderttausend davon gesammelt.

Ganz besonders irritierend war auch die automatische Leuchtstärke, die mit einem falchen Vorzeichen programmiert scheint: Im Dunkel ist das Display sehr hell, während es in der Sonne bis zur unleserlichkeit abdunkelt. Aber nun ja…

Leider war die Benachrichtigung, wenn man mal wieder zu lange auf seinem Po gesessen hat, quasi “unsichtbar”. Hier fehlte schmerzlich ein Vibrationsalarm.

Sehr ärgerlich war auch, dass keine dynamische Anpassung an die Leistung vorgesehen war. Es gab Stufen, die man einstellen konnte, aber keine individuellen Ziele.

Dafür aber war der Akku super schnell geladen (30 Minuten, meistens) und hielt gefühlt ewig.

Was mit steigendem Alter natürlich dramatisch nachgelassen hat. Und so stand jetzt die Frage an: Was nun?

Eine Option war der Polar Loop 2, der zumindest im Bereich Vibrationsalarm nachgebesser hatte.  Aber irgendwie…

Nun hat sich ja ergeben, dass wir im Technikbereich seit einiger Zeit auf Unterstützung von Garmin bauen dürfen. Also habe ich mal dort nachgesehen und bin beim Garmin VivoSmart HR hängen geblieben.

FullSizeRenderZum einen kommt das VivoSmart HR zusätzlich mit einem optischen Pulssensor daher, den ich sehr praktisch finde. Und es gliedert sich in die Garmin-Connect-Umgebung ein, wo auch unsere Edges und GPSmaps verankert sind.

Anders als der HR+ hat der “kleine” HR auch kein GPS an Board, das mag ich nicht am Handgelenk haben.

Aber als weiteres “Schmankerl” gibt es einen barometrischen Druckmesser, über den Treppensteigen erkannt wird.  Die üblichen, auch beim Loop 2 vorhandenen “Smart-Funktionen” wie Anrufbenachrichtigung, MP3-Fernsteuerung etc spielen für mich keine Rolle.

Der Pulsmesser scheint überraschend akkurat, nur beim Schwimmen war der Wert definitiv zu niedrig. Was aber vermutlich am Verhalten der Adern bei Kälte liegt.

Das Display ist allerdings eine echte Augenweide. Ich mochte zwar das unaufrdingliche Design des Loop, aber die Informationsfülle ist natürlich viel größer beim VivoSmart. Plus des “Allways On”. Die Bedienung ist super gelöst (wischen, tippen, eine Taste) und arbeitet auch nass sehr präzise.

Die individuellen Ziele werden übrigens aus den Vortagen abgeleitet. Hier darf man nicht zu viel Intelligenz erwarten: So hat das Garmin gestern gemerkt, dass ich wenig gelaufen bin und für heute mein Ziel herunter gesetzt um mich wieder “on Track” zu bekommen. Dummerweise hatte wohl keinen Einfluss, dass ich das Armband erst ab Nachmittags trug und auch das Schwimmen spielte keine Rolle 😉

Thema Schwimmen: Das VivoSmarterlaubt, “sonstige Sportarten” aufzuzeichnen und im Nachgang dann zu editieren. So konnte ich aus den 29 Minuten “Sonstiges” dann “Schwimmen, 750 Meter” machen.

Die Installation und Integration in Garmin Connect ist so problemlos wie alles was man erwartet. Die Ladezeit des Akkus ist allerdings deutlich länger als beim Loop, was vermutlich am höheren Energiebedarf der Sensoren liegt.

Was allerdings absolut behämmert ist: Meine GPS-Map, Edge 800 und 810 nutzen Mini-USB. Der Edge820 nutzt Micro-USB und das VivoSmarteinen properitären Stecker. Damit habe ich jetzt 3(!) unterschiedliche USB-Ladekabel am PC hängen. Da fragt man echt, ob die sie noch alle haben.

Der Vibrator im VivoSmartist übrigens auch als Wecker nutzbar. Ich habe heute morgen den Eindruck gehabt, dass ich das wesentlich angenehmer finde, als vom normalen Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden. Toll wäre jetzt noch, wenn die Schlafüberwachung so programmiert werden könnte, dass sie ab einer bestimmten Uhrzeit weckt, wenn man in den leichten Schlaf übergeht und nicht aus dem Tiefschlaf weckt. Das wäre genial.

Fazit:

Das Loop ist ein Schmuckstück, dass meine Basisbedürfnisse befriedigen konnte. Das VivoSmartHR ist dagegen stärker auf Integration in die “Sportwelt” gepolt und bietet einige sehr interessante zusätzliche Features.

Wer es “Simpel” mag und einen reinen Fittness-Tracker haben will, der dezent am Handgelenk baumelt und seinen Zwecke erfüllt: Polar Loop.

Wer dagegen mehr Zahlen, Daten, Fakten haben will und/oder eh andere Garmin-Geräte haben will, der sollte den VivoSmart HR kaufen.

 

Hinweis in eigener Sache: Unser Deal mit Garmin umfasst keine Vorgaben, ob und wie über Produkte der Marke zu berichten wäre.

 

Radon Slide Carbon 160 9.0

Nach dem Urlaub in Saalbach habe ich mir ja mehr oder weniger spontan ein abfahrtsorientiertes Spaßbike gekauft – das auf den etwas sperrigen Namen “Radon Slide Carbon 160 9.0” hört.

IMG_8373Inzwischen habe ich die ersten 100 km mit dem Bike hinter mich gebracht – genug um mal das für und wieder zu betrachten.

Das erste was ich gemacht habe, war die Schläuche raus zu nehmen. Radon liefert direkt Tubeless-Ventile mit und die Felgen sind ohne Umbau TL-ready. Der Hans-Dampf-Reifen braucht kaum Milch um dicht zu halten. Bessere Pannensicherheit und niedrigere Drücke sind die angenehme Folge.

Das Slide 9.0 kommt mit kompletter XT-Ausstattung. Eigentlich gut, trotzdem habe ich die XT-Bremse runtergeworfen und eine Saint installiert. Außerdem ist die vordere 180mm Scheibe gegen eine 200er getauscht worden.

Die Gründe dafür sind einfach:

IMG_8266Im Bikepark habe ich gemerkt, dass bei meinem Gewicht die 180er-Scheibe ausreicht. Aber eben nicht so wie ich es gerne hätte. Dazu kommt, dass die XT-Bremse bei mir das schon kolportierte Wandern des Druckpunktes hatte.

Das kann der Service zwar angeblich beheben, aber wenn ich schon plane vermehrt Downhill zu fahren, kann ein bisschen Reserve ja nicht schaden. Also die große Scheibe und eine Saint montiert. Bremsen wie andere den Anker werfen 😉

IMG_8372Genau so viel Spaß wie im Park macht das Bike aber auch auf den “heimischen Trails”, in meinem Fall also Halde und Testerberge. Die 2×11 scheint mir ein bisschen zu großzügig, 1×11 hätte es auch getan. Aber so bleiben immer genug Reserven um das vergleichsweise schwere Bike die Berge hoch, die Waldwege lang und die Abfahrten runter zu pedalieren.

Insgesamt fällt das hohe Gewicht schon auf, vor allem im Vergleich zu meinem Race-Hardtail. Aber das Slide ist ja auch ein komplett anderes Bike.

Trotzdem überlege ich, die Schaltung aus 1×11 zu reduzieren und für Touren einen leichteren zweiten Laufradsatz zu bauen. Die fetten Hans Dampf sind trotz TL nämlich keine Leichtgewichte und rollen eher wie ein Panzer 🙂

Das Einzige was mir wirklich nicht gefällt ist die tiefe Position des Tretlagers. Schon mehrfach habe ich mit der Kurbel oder dem Kettenblatt den Boden berührt – vor allem in sehr schmalen Rinnen. Da wäre mehr Luft besser, aber das Slide ist ja nun mal eher ein “Touren-Enduro”, denn ein reinrassiger Downhiller. Und da muss man wohl Kompromisse eingehen 😉